Zugspitz-Apotheke Grainau

Gegen den Trend: Endlich Inhaberin! Hagen Schulz, 22.09.2019 13:50 Uhr

Berlin - Eine eigene Apotheke zu führen, ist für viele Pharmazeuten nicht mehr sonderlich erstrebenswert. Bürokratie, Rahmenvertrag, Lieferengpässe und die Online-Konkurrenz machen das Arbeiten als Inhaber schwer. Für Alena Stühler stand dennoch stets fest, dass sie eines Tages eine Apotheke leiten möchte. Diesen Traum erfüllte sie sich im April. Seitdem ist die Pharmazeutin Inhaberin der Zugspitz-Apotheke im bayerischen Grainau.

Stühler ist ein echtes Kind der Region. Aufgrund ihrer Heimatverbundenheit war für die Apothekerin klar, dass sie nach Grainau zurückkehren möchte. Zuvor hatte Stühler in Regensburg und München Pharmazie studiert sowie sich die ersten beruflichen Sporen verdient. Über Kontakte in die alte Heimat erfuhr sie, dass die Zugspitz-Apotheke einen neuen Inhaber sucht. Die Entscheidung, die Apotheke zu übernehmen, fiel Stühler daher leicht.

Mittlerweile habe sich auch die erste Aufregung nach der Übernahme gelegt: „Ich habe natürlich mein eigenes Konzept für die Apotheke mitgebracht und ein bisschen umgebaut. Jetzt ist vieles geschafft und der Alltag ein wenig ruhiger“, so Stühler. Die Kunden hätten den Inhaberwechsel gut aufgenommen. Dieser sei aber im Vorfeld auch kein großes Geheimnis in Grainau gewesen. „In so einem kleinen Ort kennt man sich eben und weiß übereinander Bescheid“, lacht die Apothekerin.

Das Team ihrer Vorgängerin hat Stühler komplett übernommen. Auch an der Optik wollte die Apothekerin nicht viel ändern: „Mir war es wichtig, den Dorfcharakter der Zugspitz-Apotheke zu bewahren. Eine komplette Renovierung wäre daher nicht richtig gewesen“, erklärt Stühler. Zwar möchte sie die Räumlichkeiten noch etwas anpassen, dennoch soll der traditionelle Stil behalten werden. „Am Ende soll alles so aussehen, dass ich auch dahinterstehe“, gibt die Apothekerin die Marschroute vor.

Den Mut zur Selbstständigkeit hat Stühler von ihrer Mutter geerbt. Diese betreibt ein eigenes Hotel in der Region. Der Vater ist ebenso im Tourismus tätig und auch in der Zugspitz-Apotheke spielen Touristen eine große Rolle. „Wir haben eigentlich das ganze Jahr über Hochsaison, sodass immer viele Urlauber in die Apotheke kommen“, berichtet Stühler. Doch auch auf die Stammkunden aus dem Ort könne sie zählen.

Überhaupt habe die Lage am Fuße von Deutschlands höchstem Berg nur Vorteile: „Ich fühle mich hier pudelwohl.“ Ein erfahrener Winterdienst sorge dafür, dass selbst an schneereichen Tagen die Apotheke für Kunden und Lieferanten erreichbar ist. Auch die Notdienste, von denen die Zugspitz-Apotheke bis Ende letzten Jahres befreit war, seien kein Problem. „Es sind zwar etwas mehr als in meiner Zeit in München, aber das gehört zu unserem Beruf eben dazu“, gibt sich Stühler gelassen.

Überhaupt versprüht die Apothekerin stets Optimismus. Seit Kindestagen sei es ihr Traumberuf gewesen, daran änderten auch die aktuellen Turbulenzen in der Branche nichts. „Wir müssen das beste daraus machen. Unser Vorteil auf dem Land ist, dass die Konkurrenz nicht so erbittet ist wie in der Stadt. Dadurch arbeiten die Apotheken hier viel besser als zusammen und nicht gegeneinander“, erklärt Stühler, die in Zukunft mehr Fokus auf den Umweltschutz legen will. So sollen Plastikverpackungen bei den Eigenprodukten durch Glas ersetzt werden. „Ich möchte meine Apotheke nutzen, um bei den Menschen mehr Bewusstsein für die Umwelt zu wecken“, blickt Stühler voraus.