Erkältungs-Tipps

Anatomische Erkältungsreise – Lunge und Bronchien Alexandra Negt, 03.12.2019 13:15 Uhr

  • Die Lunge ist das Organ der Atmung. Sie teilt sich in zwei Lungenflügel. Die Bronchien sind für die Weiterleitung des Sauerstoffs zuständig. Wenn sich Keime in der Bronchialwand einnisten, kommt es zur übermäßigen Sekretbildung – Husten entsteht. Foto: Pixabay

Berlin - Die Lunge ist für die Atmung zuständig. Das Organ versorgt den gesamten Blutkreislauf mit Sauerstoff, so auch das Gehirn. Werden die Lungenflügel durch äußere Einflüsse verletzt, so muss schnell gehandelt werden. Doch auch Infektionen können zu einer verminderten Lungenfunktion führen – ganz vorne mit dabei die Bronchitis.

Anatomie

Luftröhre (Trachea)
Die Funktion der Luftrühre ist die Weiterleitung der Atemluft bis in die Hauptbronchien. Die Atemluft wird erwärmt und mit Feuchtigkeit angereichert. Die mucociliäre Clearance gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Organs. Die Luftröhre beginnt direkt unterhalb des Kehlkopfes und ist ungefähr zehn Zentimeter lang.

Lunge (Pulmo)
Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln. Diese unterteilen sich in Lungenlappen mit einzelnen funktionellen Segmenten. Funktionell wird das luftleitende Bronchialsystem von dem gastaustauschenden Alveolensystem unterschieden. Der rechte Lungenflügel besteht aus zehn Segmenten, der linke nur aus neun – er ist zudem aufgrund des benachbarten Herzens kleiner.

Bronchien
Der luftleitende Anteil der Lunge unterhalb der Luftröhre wird als Bronchialsystem bezeichnet. Die röhrenförmige Struktur der Lunge transportiert Luft von der Luftröhre aus zu den Lungenbläschen. Der sogenannte Bronchialbaum verzweigt sich in beide Lungenflügel und sorgt dort für eine ausreichende Belüftung. Die Bronchialwände sind mit einem mehrreihigem Flimmereptihel ausgekleidet. In den Wänden befinden sich außerdem Drüsen, Becherzellen und endokrine Zellen.

Lungenbläschen (Alveolen)
Die Lungenbläschen bilden das Ende des Respirationstraktes und dienen dem Gasaustausch zwischen Alveolarluft und Blut. Die Alevolen sind mikroskopische klein, besitzen jedoch in ihrer Masse eine Fläche von ungefähr 100 m2. Die Bläschen sind über Kapillaren miteinander verbunden und kleine Löcher, die sogenannten Kohn’schen Poren, ermöglichen den Austausch von Atemluft und Alveolarflüssigkeit untereinander. Lungenarterien transportieren sauerstoffarmes Blut in die Kapillaren, die an den Alveolen Anlagern – diese Strecke wird auch Blut-Luft-Schranke genannt.

Physiologie

Die Aufgabe ist somit der Gasaustausch: Die Sauerstoffaufnahme und Kohlendioxidabgabe unterliegen der Diffusion der Atemgase durch die Blut-Luft-Schranke. Die Regulation erfolgt im Atemzentrum des Gehirns (Medulla oblongata). Die rhythmische Steuerung der Atemmuskulatur wird durch zentralnervöse Reize (körperliche Anstrengung) , chemische Reize (CO2-Anstieg im Liquor) oder unspezifische Reize (Fieber, Schmerz, Adrenalin) beeinflusst.

Pathophysiologie

Atmungsformen
Einige pathologische Atmungsformen lassen Rückschlüsse auf zugrundeliegende Störungen zu. Bei einem Kreislaufkollaps kann es zum Beispiel zu einer Schnappatmung kommen, diese äußert sich in einzelnen tiefen Atemzügen mit langen Pausen. Die sogenannte Kussmaul-Atmung kennzeichnet sich durch eine vertiefte rhythmische Atmung, bei der CO2 abgeatmet werden soll. Sie kann bei metabolischer Azidose auftreten. Bei Hirnverletzungen oder erhöhtem Hirndruck kann es zur sogenannten Biot-Atmung kommen. Diese tiefe Atmung ist durch plötzliche Atempausen gekennzeichnet. Ist das Atemzentrum selbst geschädigt, kann eine wechselhafte Atmung vorliegen. Diese kurzen hyper- und hypoventilatorischen Phasen werden als Cheyne-Stokes-Atmung bezeichnet.

Bronchitis
Entzünden sich die Bronchien, so liegt eine Bronchitis vor. Man unterscheidet akute und chronische Formen. Bei einer akuten Bronchitis liegt eine neu entstandene Inflammation der größeren verzweigten Bronchialäste vor. Gekennzeichnet ist die Erkrankung durch Husten und erhöhte Schleimproduktion und oftmals durch Fieber. Bei der chronischen Form liegt ein langandauernder Entzündungsprozess vor. Die anhaltende Entzündung (länger als drei Monate) kann zu irreversiblen Veränderungen des Bronchialsystems führen. Weiterhin unterscheidet man die chronische von der chronisch-obstruktiven Bronchitis.

Akute Bronchitis
Die Erkrankung ist zumeist viral bedingt. Die Viren befallen die Epithelzellen der Bronchialschleimhaut und vermehren sich dort. Es kann zu einem zusätzlichen Befall mit Bakterien kommen, sodass eine sogenannte Superinfektion vorliegt. Bakterielle Erreger sind häufig Staphylokokken, Streptokokken und Chlamydien.

Zu Beginn liegt meist ein trockener Husten vor. Je nach Intensität kann dieser Hustenreiz schmerzhaft sein. Bei Fortschreiten des Krankheitsverlaufes kommt es zum produktiven Husten mit glasigem Sekret. Bei bakterieller Infektion verfärbt sich das Sputum gelblich-grün und wird häufig viskoser. Begleitet wird die Erkankung von leichtem Fieber und einer eingeschränkten Lungenfunktion (ähnlich einem leichten Asthma bronchiale). Häufige Krankheitsrezidive können einen Übergang in die chronische Form fördern. Zur Therapie eignen sich Sekretolytika und Antitussiva.

Beratung

Patienten mit akuter Bronchitis suchen oft Rat in der Apotheke. Liegen starke Heiserkeit oder hohes Fieber vor, so sollte der Erkrankte zum Arzt verwiesen werden. Zur Behandlung des trockenen Hustens eignen sich Antitussiva. Chemische Varianten wie Codein (rezeptpflichtig) oder Dextromethorphan sollten aufgrund der stark hustenstillenden Wirkung nur zur Nacht angewendet werden. Auch pflanzliche Varianten mit Spitzwegreich, Isländisch Moos oder Eibischwurzel können eine Empfehlung sein. Efeu und Thymian besitzen antitussive und sekretolytische Eigenschaften. Darüber hinaus gibt es Lutschtabletten mit schleimbildenden Inhaltsstoffen, die neben dem Hustenreiz auch die Heiserkeit lindern können. Hier sind Varianten mit Isländischem Moos, Hyaluronsäure oder Salz verfügbar.

Liegt ein produktiver Husten vor, so kann das Abhusten durch Expektorantien erleichtert werden. Innerhalb der Selbstmedikation gibt es chemische und pflanzliche Varianten. Chemische Wirkstoffe wie Bromhexin, Ambroxol, N-Acetylcystein und Guafenisin sind, je nach Wirkstoff, als Tropfen, Saft, Kapseln, Lutschtabletten oder Brausetabletten verfügbar. Ferner gilt auch Kochsalzlösung als chemischer Hustenlöser – als Inhalationslösung kann Natriumchlorid zur Verflüssigung des Sekrets beitragen. Als schnelle, pflanzliche Hilfe ist beispielsweise GeloMyrtol forte zu nennen: Es wird in zahlreichen Leitlinien bei der Behandlung von akuten und chronischen Erkrankungen der Lunge und Bronchien erwähnt. Das enthaltene ELOM-080 wirkt unter anderem schleimlösend und antientzündlich gegen Bronchitis und Sinusitis. Die Wirkung pflanzlicher Expektorantien beruht auf der Wirkung der enthaltenen ätherischen Öle. Hier können Eukalyptus (Cineol), Myrte, Pfefferminze, Spitzwegerich, Anis und Thymian empfohlen werden. Der Patient kann zwischen verschiedensten Darreichungsformen wählen.

Zwei weitere Arzneipflanzen, die festsitzenden Husten lösen können, sind Efeu und Primel: Die im Efeu enthaltenden Saponine und die in der Primelwurzel enthaltenen Glykoside führen ebenfalls zu einer Viskositätsminderung. Ergänzend kann ein Tee angeboten werden: Das vermehrte Trinken führt zu einer Linderung der gereizten Schleimhaut. Einreibungen und Badezusätze können ebenfalls ergänzend eingesetzt werden. Während der akuten Phase sollte auf Sport verzichtet werden. Husten bei Kindern unter drei Jahren sollte stets vom Arzt abgeklärt werden. Bis zum zwölften Lebensjahr sollten Eltern vermehrt auf Begleitsymptome wie hohes Fieber oder allgemeine Schwäche achten.

Akuter Husten kann nach Abklingen des Virusinfektes bis zu acht Wochen anhalten. Dieser sogenannte subakute Husten sollte mit den Wochen geringer werden. Bis zum völligen Abklingen können schleimbildende Präparate verwendet werden. Die Linderung des Hustenreizes führt zu einer Entspannung der Bronchialmuskulatur.