Infektiologie

Grippeimpfstoff: mRNA statt Hühnerei dpa, 26.11.2012 12:30 Uhr

Neuer Ansatz: Forscher untersuchen neuen Impfstoff auf mRNA-Basis. Foto: GSK
Berlin - 

Deutsche Wissenschaftler haben eine schnellere Methode zur Herstellung von Grippeimpfstoffen entwickelt. Beteiligt an den Forschungen waren Experten des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) und des Biotech-Unternehmens Curevac.

„Die Herstellung basiert nur auf der Viruserbsubstanz, die in Messenger Ribonukleinsäure (mRNA) umgeschrieben wird und so die gewünschten Virusproteine für die Immunisierung bildet“, sagte der Leiter des Instituts für Immunologie am FLI, Professor Dr. Lothar Stitz. „Während man bei der klassischen Herstellung von Impfstoffen in Eiern oder Zellkulturen von einer Entwicklungszeit von mehreren Monaten spricht, sprechen wir bei der mRNA-Methode von Wochen.“

mRNA dient der Zelle als Bauanleitung für Proteine und wird nicht in das Erbgut eingebaut. „Deshalb können bei einer Impfung mit dem synthetisch hergestellten Impfstoff keine nachteiligen Folgen in den Zellen und im Organismus auftreten“, betonte Stitz. Da für die Entwicklung des mRNA-Impfstoffs lediglich die Erbinformation des Erregers entschlüsselt werden müsste, könne mit der Methode schneller auf neue oder genetisch veränderte Viren reagiert werden. Ein weiterer Vorteil dieser Impfstoffe sei, dass sie bei Transport und Lagerung nicht gekühlt werden müssen, sondern auch bei erhöhten Temperaturen stabil bleiben.

Die Wirksamkeit der Impfstoffe sei in Tierversuchen nachgewiesen worden, betonte Stitz. Bei den Mäusen, Frettchen oder Schweinen sei eine spezifische Immunreaktion sowohl auf Antikörper und zellvermittelter Ebene gegen Influenzaviren gefunden worden. Es konnte gezeigt werden, dass auch sehr junge und alte Mäuse auf die Impfung ansprachen.

Die Forscher brauchen als Basis für die Herstellung des Impfstoffes nur die RNA-Sequenz des Erregers. Diese wird in DNA und dann in mRNA umgewandelt. „Wir haben dann gegen verschiedene Abschnitte des Virus Impfstoffe entwickelt“, sagte Stitz. Als Beispiele nannte er das Oberflächen-Eiweiß Hämagglutinin, das sich sehr schnell verändert, und das im Inneren des Virus liegende Nukleoprotein, das bei allen Influenza A-Viren sich nicht ändert.