Nachtdienstgedanken

Gedicht: Das Apothekenjahr 2018 Sarah Sonntag, 30.12.2018 09:01 Uhr

Berlin - Der Weihnachtsstress ist vorbei, Silvester naht. Es ist Zeit, das Jahr 2018 Revue passieren zu lassen. Was hat dich geärgert? Was hat dich gefreut? Deine Kollegin Sarah Sonntag weiß genau, was dich zum Überkochen gebracht hat.

Liebe/r Apotheker/in,

Höhen und Tiefen gab es auch in diesem Jahr
Nicht alles lief nach Plan, das ist klar
Große Probleme gab es bei beispielsweise bei Valsartan
Das hat dich ebenso betroffen wie Kollegen von nebenan

BfArM, FDA, EDQM, AMK und EMA
Ständig gab es neue Nachrichten zu NDMA
„Hauptsache billig“ – Du kannst das nicht verstehen
Qualität hat seinen Preis, soll sich die Politik eingestehen

Aber auch Ibuprofen war seit langem defekt
Das ist für dich das Gleiche, im Endeffekt
In Deutschland wird fast nicht mehr produziert
Wenn in China die Maschine ausfällt, ist der Patient nicht amüsiert

Er braucht seine Tabletten, dafür einzelst du auch mal aus
Nicht von allen Kollegen kriegst du dafür Applaus
Das Rezept bedruckst du dann einfach auf andere Weise
Die Kasse drückt ein Auge zu und lässt es durchgehen, glücklicherweise

Testkäufe hast du gemeistert mit erhobenem Haupt
Egal ob Silomat, Aspirin oder irgendein Kraut
Du berätst mit bestem Wissen und Sachverstand
Für dich steht fest: Das können die nicht in Holland!

Wenn es Apothekenexklusives gibt in der Drogerie
Regst du dich auf wegen der anderen Preiskategorie
Die Hersteller siehst du dabei in der Pflicht
Dass sie von nichts wissen, das glaubst du nicht

Was du nicht bedenkst, sind böse Kollegen
Sie verkaufen Kosmetik weiter des Geldes wegen
Doch Beiersdorf hat einen dieses Jahr erwischt
Die Chargenrückverfolgung hat alles aufgetischt

Von der Datenschutzgrundverordnung kannst du ein Lied singen
Wer kann dir die Zeit für den Ausdruck neuer Formulare zurückbringen?
Chaos gab es auch bei den Ärzten, die PZN passte nicht zu den Tabletten
Großes Kuddelmuddel, hoffentlich keine Retax – wer kann dich retten?

Wirklich viele Schließungen sind es zum Jahresende
Kein Nachfolger, Personalmangel, usw. – es sind die Umstände
Wenn Kollegen schließen müssen, findest du das traurig
Sie haben ihr Bestes gegeben, doch der Alltag war schaurig

Eine Kollegin hat Globuli aus der Apotheke verbannt
Für ihren Umsatz war das bestimmt relevant
Die Kügelchen gibt es gegen viele „Beschwerden“
Ein Arzt wollte mit Globuli Schwulen „helfen“

Der Sommer war sehr heiß und das nicht nur für dich
Für die Arzneimittel war es das auch, aber nicht erfreulich
Wärme mögen sie nicht, gib Acht auf deine Klimaanlage
Sonst musst du dicht machen, wie ein Kollege an einem Arbeitstage

Du brauchst mehr Mitarbeiter, sonst drehst du am Rad
70 Prozent über Tarif für sie, das ist deine Tat
Denn ohne eine Approbierte sind die PTA alleine
Dann zieht der Pharmazierat an deiner Leine!

Das neue Jahr bringt neue Freuden, aber auch Sorgen
Personal zu finden ist eine der Fragen für morgen
Du bist enttäuscht von Gesundheitsminister Spahn
Aber: Wer ist das nicht. Sein Ruf ist nicht besser als der der Bahn

Die streikt wieder und deine Mitarbeiter kommen zu spät
Du kommst mit dem Auto, hast keine Probleme mit der Mobilität
Apotheker sollten auch streiken können, sagst du
Mehr Geld willst du, doch für die ABDA ist Streik Tabu

Lass es an Silvester nicht zu sehr krachen
Böller und Raketen sind nicht gut für den Rachen
Feinstaub belastet uns alle und macht uns krank
Lass doch dein Geld lieber auf deiner Bank

Übertreibe es auch nicht mit dem Alkohol
Er ist auch keine Lösung, sondern ein Destillat – zum Wohl!
Sarah Sonntag ist auch kein Übermensch oder ein Richter
Auch wenn du schon dicht bist, vergiss nicht: Goethe ist dichter