Medizinalhanf

Cannabis: Inhalation stärker wirksam als Rauchen Deniz Cicek-Görkem, 06.12.2018 11:49 Uhr

Berlin - Pharmakodynamische Wirkungen sind unter anderem abhängig von der Applikationsform. Das gilt auch für Cannabis. Die Inzidenz für Nebenwirkungen ist dabei abhängig davon, ob die Blüten inhaliert oder geraucht werden. Das berichten US-Wissenschaftler im „Journal of the American Medical Association“ (Jama). Die Studienergebnisse könnten interessant im Hinblick auf die Therapieeinstellung der Patienten sein.

Eine Therapie mit Cannabisblüten ist komplex, da die Dosierung individuell – je nach Ansprechen des Patienten – vom Arzt festgelegt werden muss. Die Einsatzgebiete sind dabei vielfältig. Je nachdem, welche Effekte gewünscht sind, wählt dieser eine unter den verschiedenen Sorten aus, die sich hinsichtlich der Gehalte an Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) unterscheiden. Cannabis kann auf verschiedene Arten eingesetzt, so kann es beispielsweise geraucht, verdampft oder sogar in Form eines Tees verwendet werden. Aus medizinischer Sicht wird allerdings vom Rauchen abgeraten, da bei dieser Applikationsform schädliche Verbrennungsprodukte entstehen.

Die Forscher um Professor Dr. Ryan Vandrey von der Johns Hopkins University School of Medicine gingen der Frage nach, welche Effekte gerauchtes Cannabis im Vergleich zur verdampften Variante bei gesunden Erwachsenen hat, die selten bis gar kein Cannabis konsumieren. Sie untersuchten beide Applikationsformen mit dem Fokus auf subjektive Arzneimittelwirkungen, kognitive und psychomotorische Leistung sowie Herz-Kreislauf-Wirkungen. Dazu analysierten sie die Blutproben von 17 Probanden in einer doppelblinden Crossover-Studie. Die Teilnehmer sollten Cannabis mit 0 mg, 10 mg und 25 mg THC verdampfen und inhalieren oder rauchen. Das Durchschnittsalter betrug 27,3 Jahre.

Den Ergebnissen zufolge führte die Inhalation von Cannabisblüten mit 10 mg THC zu einer mäßigen Beeinträchtigung der kognitiven Funktionen. 25 mg führten hingegen zu signifikanten Arzneimittelwirkungen, einer erhöhten Inzidenz von Nebenwirkungen und zu einer ausgeprägten Beeinträchtigung der kognitiven und psychomotorischen Fähigkeiten. Verdampftes Cannabis ging, im Vergleich zu gerauchtem Cannabis, mit stärkeren Arzneimittelwirkungen und höheren Spitzenkonzentrationen von THC im Blut einher (geraucht 10,2 ng/ml vs. verdampft 14,4 ng/ml).

Der Wirkeintritt der Cannabinoide schwankt im Allgemeinen. Bei der Inhalation beginnt die Wirkung schon nach ein bis zwei Minuten, nach rund 15 Minuten wird die Hauptwirkung erreicht, die bis zu vier Stunden erhalten bleibt, wie aus dem Cannabis-Report ersichtlich wird. Bei der Nutzung eines Vaporisators werden die Blüten oberhalb von 185 Grad verdampft. Durch das Erhitzen bilden sich freies THC und CBD, es entsteht ein inhalierbares Aerosol.

Teilnehmer, die 10 mg verdampften und inhalierten, hatten im Vergleich zu denen, die Cannabis rauchten, unter anderem eine höhere Rate für Arzneimittelwirkungen und für trockene, rote und irritierte Augen. Bei der Dosis à 25 mg, die nach Verdampfung resorbiert wurde, traten paranoide Zustände unter den Teilnehmern häufiger auf als wenn die Dosis geraucht wurde. Die Rate für Herzrasen war für 10 mg und 25 mg unter der Verdampfung höher als beim Rauchen, das Gleiche galt für Angstzustände und/oder Nervosität, Gedächtnisschwäche, Reizung des Halses und/oder Husten.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss, dass es bei verdampftem und gerauchtem Medizinalhanf zu unterschiedlichen Arzneimittelwirkungen kommt. Bei der Vaporisation beobachteten sie insgesamt stärkere Effekte. „Aus diesen Daten könnten regulatorische und klinische Entscheidungen über die Verwendung von Cannabis bei Erwachsenen abgeleitet werden, die zuvor nicht oder nur in geringem Maße exponiert waren”, so die Forscher.