Von fremden Bakterienstämmen profitieren

Stuhltransplantation: Chancen für Kolitis-Patienten Alexandra Negt, 08.01.2020 14:02 Uhr

Berlin - Was erst einmal befremdlich klingt, kann für Kolitis-Patienten ein Weg aus der langwierigen Krankheit sein. Bei einer durch Antibiotika stark geschädigten Darmschleimhaut kann sich das Bakterium Clostridiodes difficile stark vermehren. Die vom Keim ausgeschiedenen Toxine verursachen Fieber, Bauchschmerzen, Durchfall und Flüssigkeitsverlust. Eine Transplantation von Stuhl gesunder Patienten kann zur Neuansiedlung von „guten“ Bakterienstämmen führen – die Darmflora kommt ins Gleichgewicht.

Eine Stuhltransplantation wird auch fäkaler Mikrobiomtransfer genannt. Bei der Behandlung wird der Stuhl eines gesunden Spenders in den Darm einer erkrankten Person gesetzt, dies geschieht mittels Endoskopie oder durch die Einnahme von Kapseln.

Stuhltransplantation – Ursprüngliche Anwendung

Der Stuhl eines gesunden Spenders wird mit physiologischer Kochsalzlösung vermischt und grob gefiltert. Die Suspension wird durch einen Einlauf oder während einer Koloskopie in den Dickdarm des Patienten eingebracht. Die Injektion durch eine Duodenalsonde in den Zwölffingerdarm ist ebenfalls möglich.

Stuhltransplantation – Einnahme von Kapseln

Die Herstellung von Kapseln ist in Europa noch weitestgehend unbekannt. In den USA hat die FDA eine ausführliche Stellungnahme zum Thema „Stuhltransplantation und Kapselherstellung“ publiziert. In Amerika erfolgt vor der Herstellung ein Stuhlscreening der Spender – erst wenn das Mikrobiom als geeignet angesehen wird, erfolgt die Produktion der Kapseln. Hierfür wird der Stuhl verflüssigt, gereinigt und aufkonzentriert. Dieses Konzentrat wird zusammen mit Kochsalzlösung und Glycerin suspendiert. Diese Suspension wird zu säureresistenten Kapseln verarbeitet. Die Lagerung erfolgt tiefgekühlt.

Spenderauswahl

In Frage kommen gesunde und vor allem „stuhlgesunde“ Personen. Spender, die in häuslicher Gemeinschaft mit dem Patienten leben oder mit ihm verwandt sind, werden aufgrund von geringerem Ekelfaktor sowie einer vermeintlich geringeren „Infektionsgefahr“ (aufgrund des ohnehin bestehenden gemeinsamen Mikrobioms) bevorzugt. In Labortests werden Spender auf verschiedene Infektionskrankheitenuntersucht, vor allem auf pathogene Darmkeime.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Spielzeitpause sinnvoll nutzen

Theater näht Mundschutz»

Bindehaut als Eintrittspforte für Sars-CoV-2

Tränenflüssigkeit als Infektionsquelle?»

Corona-Milliarden

Pannen und lange Leitung: Hindernislauf zur Staatshilfe»
Markt

Corona-Schutz

Trotz Plexiglas: Kunden sollen Mundschutz tragen»

Fabian Kaske im Podcast

OTC-Versand explodiert – Corona verschiebt Marktanteile»

180 Millionen Franken

eRezept und Corona-Boom: Zur Rose sammelt Geld ein»
Politik

Mehrkosten werden 1:1 übernommen

Pflegedienste: Kassen geben Komplettgarantie»

Unzureichende Finanzzusagen

Klinikchefs schreiben Brandbrief»

Corona-Krise

Altmaier verteidigt Hilfsprogramm»
Internationales

FDA-Zulassung für Abbott

USA erlaubt Corona-Schnelltest»

Verlauf von Sars-CoV-2

Nach Lockerungen: Zweite Welle in China?»

Österreich

Ermittlung wegen Covid-19-Ausbreitung in Ischgl»
Pharmazie

Infektion durch abgeschwächten Tuberkulose-Erreger

BCG-Medac: Aufflammen von Infektionen möglich»

Chargenrückruf bei Fentanyl

Abstral: Falsche Packungsbeilage»

Gerinnungshemmer

Neue Indikation für Xarelto in Sicht»
Panorama

Risiken und Engpässe

Corona-Medikamente: WHO warnt vor Experimenten»
Virologe: Corona-Tests könnten deutlich ausgeweitet werden»

WIR GEGEN CORONA

Videogrüße aus der Krise»
Apothekenpraxis

Lehrbetrieb wird digital

„Krisenhelfer Covid-19 gesucht“: Uni startet Helferportal für Studenten»

Vertretungsapotheker

Verstärkung gesucht? Inhaber bietet sich als Aushilfe an»

Verwechslung bei Kapselherstellung

Tragischer Rezepturfehler: BGH hebt PTA-Urteil auf»
PTA Live

Mindestabstand einhalten!

Statt Kittel: PTA trägt T-Shirt mit Warnhinweis»

Herstellanweisungen via Homeoffice

Corona fordert die Rezeptur-PTA»

In Hessen heißt es zu Hause lernen

PKA- und PTA-Schüler gehen ins Home-Office»
Erkältungs-Tipps

Flimmerhärchen und Sekret

Die Nase als Schutzschild»

Ohne Schmuck für mindestens 30 Sekunden

Infektionsprävention: Handhygiene»

Influenza vs. Erkältung

Grippeschutzimpfung: Einfluss auf Erkältungen?»
Magen-Darm & Co.

Tofu, Seitan & Co.

Vegan – der Verzicht auf alles tierische»

Besondere Ernährungsformen

Vegetarisch – Der Verzicht auf Fleisch»

Parasitenbefall

Würmer: Harmlos aber unangenehm»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Was bedeutet Risikoschwangerschaft?

Schwangerschaft 35 +»

Scheidenpilz, Cystitis & Ischiasschmerzen

Tipps bei typischen Symptomatiken in der Schwangerschaft»

Krank in der Schwangerschaft 

Hausmittel vs. Arzneimittel: Alternativen für werdende Mütter»
Medizinisches Cannabis

Die Inhaltsstoffe der Cannabispflanze

THC und CBD: Wo liegen die Unterschiede?»

Teil 1: Rezeptangaben und Sonderfälle

How to: Cannabisrezept»

Cannabidiol, THC, Vollspektrum & Co.

Blüte oder Extrakt – was sind die Unterschiede?»