Obdachlosenhilfe

„Straßenapotheker“ sammeln Medikamente

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Berlin -

Selbst die härteste Straße braucht mal ein Pflaster: So steht es auf Plakaten, die eine Studentengruppe in vier Berliner Apotheken aufgehängt hat. Damit bitten sie die Kunden um Medikamentenspenden für eine Obdachlosen-Praxis am Ostbahnhof. „Straßenapotheker“ heißt das Projekt.

Master-Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) haben sich das Spendenprojekt im Rahmen eines Seminars ausgedacht. Die Idee: In teilnehmenden Apotheken können Kunden ein Arzneimittel oder medizinisches Produkt kaufen, das von der Obdachlosen-Praxis benötigt wird. Gesammelt werden die Spenden in den Apotheken. Von dort werden die Arzneimittel zu der Praxis gebracht, wo Ärzte sie an die Patienten abgeben.

Vier Apotheken beteiligen sich derzeit an der Aktion, darunter die Meraner Apotheke von Helge Hauffe. Seit der vergangenen Woche steht daher eine Sammelbox auf dem HV-Tisch. Die Kunden nehmen das Projekt gut an: „Viele haben gesagt, dass das eine richtig gute Idee ist. Sachspenden sind ihnen lieber, als Geld zu geben“, sagt Hauffe.

Auf dem Poster im Schaufenster steht, was in der Obdachlosen-Praxis besonders benötigt wird. Darunter finden sich vor allem Mittel gegen akute Leiden, beispielsweise Paracetamol und Aspirin oder Loperamid. In der Erkältungszeit bittet die Praxis auch um Hustensaft und Nasenspray. Wundsalbe, Pflaster und Verbände stehen ebenfalls auf der Wunschliste.

Neben der Meraner Apotheke nehmen die Regenbogen Apotheke und die Bülow-Apotheke in Schöneberg sowie die Apotheke am Ostbahnhof an der Aktion teil. Insgesamt hat die Studentengruppe 26 Apotheken kontaktiert und hofft, dass letztlich zehn bei der Aktion mitmachen werden. Die Studenten bringen die Spenden von den Apotheken in die Obdachlosen-Praxis. Noch bis Ende Januar wollen sie das Projekt betreuen. Danach soll es nach Möglichkeit eine Hilfsorganisation weiterführen.

Die Praxis am Stralauer Platz am Ostbahnhof behandelt bereits seit 2001 Obdachlose und Bedürftige. Sie ist von Montag bis Freitag zwischen 8 und 13 Uhr geöffnet. Träger ist seit 2013 die Gebewo pro, eine Tochter der Gebewo Soziale Dienste Berlin.

Neben den zwei Behandlungszimmern für Zahn- und Allgemeinarzt steht den Wohnungslosen ein Aufenthaltsraum zur Verfügung. 25 bis 30 Personen besuchen die Praxis pro Tag. Dort können sie sich nicht nur ärztlich versorgen lassen, sondern erhalten auf Wunsch auch eine Mahlzeit, Getränke und Kleidung.

Vier Mitarbeiter arbeiten festangestellt in der Praxis – zwei Arzthelferinnen, eine Zahnarzthelferin sowie ein Koordinator. Dazu kommen mehr als zehn ehrenamtlich tätige Haus- und Zahnärzte. Finanziert wird die Praxis überwiegend von jährlich neu zu beantragenden Zuwendungen des Landes Berlin. Etwa 39.000 Euro bekam die Initiative in diesem Jahr. Das decke die Kosten jedoch nicht, sagt der Sprecher des Trägers Gebewo. Weitere 8000 Euro müssen als Spenden eingenommen werden.

Zudem ist die Praxis bei Medikamenten und Hygieneartikeln von Spenden abhängig: Regelmäßig bittet die Gebewo daher Apotheken, Krankenhäuser und Ärzte um Hilfe. Sach- und Geldspenden sind willkommen, sagt der Sprecher, wobei Geldspenden flexibler einsetzbar sind.

Neben der Arztpraxis am Stralauer Platz gibt es in Berlin noch neun weitere Anlaufstellen für Obdachlose, um sich medizinisch behandeln zu lassen.

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