Lieferengpässe

Vesikur-Depot für Noweda-Kunden

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Berlin -

Noweda-Kunden können das urologische Spasmolytikum Vesikur (Solifenacin) künftig auch über ihren Großhändler bestellen, wenn der seine reguläre Ware eigentlich schon abverkauft hat. Die Genossenschaft hat in Zusammenarbeit mit dem Hersteller Astellas ein Notfalldepot eingerichtet, auch andere Hersteller sollen sich anschließen können.

In dringenden Fällen können Noweda-Kunden auf ein gesondertes Depot zuzugreifen. Nach Unternehmensangaben wird sichergestellt, dass jede Apotheke Ware erhält, wenn diese zur Patientenversorgung erforderlich ist. Die Auslieferung der Ware erfolgt mit der nächstmöglichen Tour in die Apotheke. Es handelt sich um Ware der Genossenschaft und nicht um ein Lager des Herstellers. Abgerechnet wird wie gewohnt über die Monatssammelrechnung.

Das Konzept wurde im Rahmen einer Pilotphase mit 340 Kunden der Niederlassung Essen getestet und soll nun bundesweit ausgerollt werden. Außerdem soll die Lösung auch anderen Unternehmen angeboten werden. „Es gibt für die Hersteller keinen Grund mehr, Apotheken für den Bezug knapper Arzneimittel auf das kostenträchtige und aufwendige Direktgeschäft zu verweisen“, sagt Vorstandschef Dr. Michael Kuck.

„Der verstärkte Export bestimmter Arzneimittel ins Ausland ist eine logische ökonomische Konsequenz der politisch gewollten, niedrigen Preise hierzulande“, so Kuck weiter. Die Noweda sei nicht bereit, die Folgen dieser Politik für die Apotheken und ihre Patienten zu akzeptieren. „Wir freuen uns, dass wir mit Astellas Pharma einen starken Partner gefunden haben, dem die Sicherstellung einer reibungslosen und unkomplizierten Versorgung ebenso am Herzen liegt.“

„Es ist uns wichtig, dass unsere Medikamente in Deutschland bei den Patienten ankommen, die das Arzneimittel dringend benötigen“, sagt Niek Stander, Deutschlandchef von Astellas. „Wir freuen uns, dass Noweda eine Lösung zu einer verbesserten Versorgungssicherheit anbietet.“

Wie der akute Bedarf ermittelt wird und welche vertraglichen Vereinbarungen die Noweda mit Astellas hat, war bislang nicht zu erfahren. Andere Großhändler werden nicht lange zusehen, ohne ihren Belieferungsanspruch geltend zu machen. Denn die Branche setzt alles daran, um Exlusivvertriebsmodelle schon im Ansatz zu verhindern.

Die Noweda hatte eine öffentliche Selbstverpflichtung abgegeben, keine Ware ins Ausland zu verkaufen. „Wie schon immer wird es auch in Zukunft keine Exporte knapper Arzneimittel durch die Noweda geben“, hatte Kuck bereits im November auf der Generalversammlung erklärt.

Zum 1. April 2016 war die neue Festbetragsgruppe der urologischen Spasmolytika eingerichtet worden. Enthalten sind die Wirkstoffe Darifenacin, Fesoterodin, Oxybutinyn, Propiverin, Solifenacin, Tolterodin und Trospiumchlorid. Seitdem sind bestimmte Originalpräparate nur noch mit Aufzahlung zu erhalten.

Astellas hatte seinen Preis für Vesikur angepasst, das Präparat ist damit ohne Mehrkosten erhältlich. In der Folge war die Nachfrage explodiert. Nicht nur Patienten, die bislang die neuerdings aufzahlungspflichtigen Präparate erhalten hatten, wurden umgestellt. Vielmehr waren Wechsel auch bei Patienten zu beobachten, die bislang mit den preiswerten Generika behandelt wurden.

Über den regulären Lieferweg via Großhandel gab es in der Folge immer wieder Defekte. Im Sommer entschloss sich die Firma, Apotheken die Direktbestellung zu ermöglichen. Mit der Abwicklung wurde der Dienstleister NextPharma beauftragt. Der Versand erfolgt porto- und verpackungsfrei. Allerdings müssen die Apotheken ihre Betriebserlaubnis bei der Bestellung mitliefern, zudem gibt es maximale Bestellmengen von fünf Packungen bei Einheiten à 30 und 50 Stück und 10 Packungen bei Einheiten à 100 Stück.

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