Kommentar

Die Glaubensfrage Alexander Müller, 07.08.2019 11:53 Uhr

Berlin - Die Apotheke ist ein Ort des Vertrauens. Am HV-Tisch oder nebenan im Beratungsraum werden persönliche, teils intime Angelegenheiten besprochen. Der Rat der Apotheker und PTA ist gefragt – in vielen Lebenslagen. Für religiöse Fragen ist der HV-Tisch der falsche Ort, kommentiert Alexander Müller.

Die Trennung von Staat und Kirche ist hierzulande nicht allzu streng. Zwar gibt es keine Staatskirche, aber in Gestalt der Finanzämter treiben staatlichen Organisationen im Auftrag der Kirche beispielsweise die Kirchensteuer ein. Christliche Feiertage werden wie selbstverständlich begangen, ja sogar die Gehälter der Bischöfe aus Steuermitteln gezahlt. Über all das wird regelmäßig öffentlich gestritten, nicht zuletzt darüber, wie und wo religiöse Symbole in der Öffentlichkeit ihren Platz haben. Vor allem im öffentlichen Dienst und in Schulen steht der freien Religionsausübung des Einzelnen das Neutralitätsgebot der Institution entgegen.

Und wo stehen Apotheken in diesem Spannungsfeld? Als privatwirtschaftliche Einrichtungen mit staatlichen Versorgungsauftrag vermutlich irgendwo dazwischen. Daher stellt sich für jeden Inhaber die Frage: Sollten religiöse Gefühle in der Offizin ausgelebt werden oder ist das unprofessionell? Was ist mit Vorgaben an das eigene Team?

Man muss hier zunächst unterscheiden, ob die Abgabe von Medikamenten betroffen ist oder nicht. Da war die Geschichte jenes Berliner Apothekers – mittlerweile im Ruhestand –, der als überzeugter Katholik die Abgabe von Kontrazeptiva verweigerte. Artikel 4 Grundgesetz garantiert die Religions- und Gewissensfreiheit. Wer bestimmte Medikamente aus religiöser Überzeugung ablehnt, darf nicht zu deren Abgabe gezwungen werden, so das Argument. Dem entgegen steht aber Artikel 2, wonach jeder Mensch das Recht auf körperliche Unversehrtheit hat. In dieses Recht des Patienten greift der Apotheker ein, wenn er die Abgabe verweigert.

So schwer es fällt, die Gewissensfreiheit etwas anderem unterzuordnen, in der Arzneimittelversorgung muss es sein. Die Apotheken haben ein Monopol und sind im Gegenzug zu einer ordnungsgemäßen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln verpflichtet. Ausnahmen sieht weder das Apothekengesetz noch die Apothekenbetriebsordnung vor. Das ist auch gut so, denn eine Grenze ließe sich hier nicht ziehen: Der eine ist gegen Verhütungsmittel, der nächste gibt als überzeugter Veganer keine Arzneimittel mit Gelatine ab und ein dritter kein Mittel mit Wirkstoffen aus China – wegen der dortigen Menschenrechtssituation. Das kann man den Patienten nicht zumuten und das Argument, man könne ja auch in eine andere Apotheke gehen, verfängt nicht. Wenn eine Apotheke hier Wahlfreiheit hat, haben es alle benachbarten auch. Nein, ihren Kampf gegen Verhütungsmittel müssen auch streng religiöse Apotheker an anderer Stelle führen.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Coronavirus

Corona-Impfstoff

Sanofi und GSK: Bis zu 300 Millionen Dosen für EU»

Corona-Krise

Trump: Impfstoff für alle bis April»

Umstrittene Empfehlung

Corona-Tests: US-Behörde korrigiert sich selbst»
Markt

Dramatischer Appell

AvP-Apothekerin: Hilferuf bei Bild»

Börsenaufstieg

Shop-Apotheke steigt auf in den MDax»

Fehlender Warnhinweis

Iberogast: Erstes Ermittlungsverfahren eingestellt»
Politik

Nacht- und Notdienstfonds

245 Euro: NNF zahlt Einmalpauschale aus»

KHZG

4 Milliarden für Kliniken»

eRezept und ePatientenakte

Bundesrat: Grünes Licht für PDSG»
Internationales

Verfügbarkeit der Corona-Vakzine

Trump widerspricht Gesundheitsbehörde»

USA/Kanada

Amazon will 100.000 neue Mitarbeiter einstellen»

Europol warnt

Kokain-Boom im Corona-Jahr»
Pharmazie

Patentablauf

Aybintio: Nächstes Avastin-Biosimilar»

OTC-Switch

Sumatriptan kommt in die Sichtwahl»

Erfolgreiche Remyeliniserung

Theophyllin bei Multipler Sklerose?»
Panorama

Stukenbrock sagt Danke

Gratis-Safari für Apotheker und PTA»

Bürgermeister eingeschaltet

Mohren-Apothekerin: Lasst uns endlich reden!»

Früherkennung und Behandlung

Krebsvorsorge: Jeder Zweite ohne Prävention»
Apothekenpraxis

adhoc24

Sumatriptan-Switch / Wechsel bei der Umschau / Weg frei für eRezept»

ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Apothekenbote sprengt VOASG-Anhörung»

adhoc24

EU-Kommission zum Apothekenmarkt / Abda-Positionspapier / AvP-Insolvenz»
PTA Live

Schubladen bleiben leer

Dolormin kommt nur kleckerweise»

Krebspräventionswoche

Gesunde Ernährung gegen Krebs»

Studie belegt Wirksamkeit

Echinacea gegen Corona»
Erkältungs-Tipps

Selbstmedikation bei Erkältungsbeschwerden

Hausapotheke: Rhinitis & Sinusitis»

Corona, Influenza und Erkältung

Wie verträgt sich Covid-19 mit anderen Infekten?»

Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Mit der Hausapotheke gewappnet sein»
Magen-Darm & Co.

Hilfe bei Obstipation, Hämorrhoiden & Co.

Ballaststoffe: Essenziell für die Verdauung»

Haferschleim, Zwieback & Banane

Schonkost: Leicht verdaulich & gut verträglich»

Pflanzlich oder Probiotisch

Fresh-Up: Reizdarmsyndrom»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Besondere Ernährungsformen

Vegan und schwanger: Kein Problem!»

Sport in der Schwangerschaft

Sechs Sportarten für Schwangere»

Nach der Geburt

10 Tipps für die Rückbildung»
Medizinisches Cannabis

Sonder-PZN, Lieferengpässe & Co.

Retaxgefahr Cannabis»

Blüte, Extrakt, Kapsel

Cannabis: Schritt für Schritt zur Rezeptur»

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»
HAUTsache gesund und schön

Aufbau, Alterung und Pflege

Unterschiede von Frauen- und Männerhaut»

Von Reinigung, Pflege und Wellness

Handpflege: Unterschätzt, aber unerlässlich»

Einfluss von äußeren Faktoren

Sonne, Chlor & Co.: Stress für die Haut»