Kommentar

Vom Rx-VV zur Gleichpreisigkeit: Alles steht auf dem Spiel Lothar Klein, 14.08.2019 10:04 Uhr

Berlin - Viel ist passiert, seit ABDA-Präsident Friedemann Schmidt die Delegierten des Deutschen Apothekertages (DAT) in München mit den Worten entließ: „Wir werden Kröten schlucken müssen.“ Die Kröten sind immer noch unterwegs – und dass sich die ABDA am Ende daran verschluckt, ist keineswegs ausgeschlossen. Wie weit das Meinungsspektrum auseinander klafft, unterstreicht zudem die Petition von Pharmaziestudent Benedikt Bühler. Mehr als 400.000 Unterschriften pro Rx-Versandverbot, aber in den Anträgen zum DAT 2019 geht es „nur“ noch um die Rettung der GKV-Gleichpreisigkeit – und die ist keineswegs sicher, kommentiert Lothar Klein.

Vor einem Jahr rutschte BAK-Präsident Andreas Kiefer ein verräterischer Satz über die Lippen: „Wir werden am Ende die Aufgabe der Gleichpreisigkeit akzeptieren müssen, das ist nicht ganz einfach“. Was damals noch niemand so recht glauben wollte, ist heute Realität. Die Gleichpreisigkeit ist bereits perdu, weil die Privatpatienten von neuen Rx-Boni-Verbot im SGB V ausgenommen werden sollen. Es geht jetzt bei der weiteren Beratung des Apothekenstärkungsgesetzes von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nur noch um die Rettung der Gleichpreisigkeit für den GKV-Sektor.

Die Antragslage zum DAT spiegelt somit den weiten politischen Weg wider, den die ABDA und ihre Repräsentanten in den letzten zwölf Monaten zurückgelegt haben. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt hat inzwischen seinen Frieden mit dem Arzneimittel-Versandhandel gemacht und will sich nicht mehr für ein Rx-Versandverbot verkämpfen. Das kann man Realismus nennen, wenn Politik mit dem Anerkennen vor Realitäten beginnt.

Allerdings: In den vergangenen zwölf Monaten haben die Realitäten die ABDA vor sich hergetrieben. Einen eigenen Plan B hat der letzte Apothekertag von der ABDA gefordert. Den gibt es bis heute nicht. Stattdessen hat sich die ABDA-Spitze auf einen Deal mit Spahn eingelassen, der von den Kammern und Verbänden zerfleddert wurde. 375 Millionen Euro sollten die Apotheker erhalten und dafür einen 2,50 Euro Bonus hinnehmen. Das Paket wäre von der EU-Kommission akzeptiert worden. Aber vor allem die Kammern legten sich quer.

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