Arzneimittelengpässe

Brexit: Regierung will im Notfall Medikamente einfliegen Tobias Lau, 10.12.2018 12:26 Uhr

Berlin - Im Falle eines harten Brexits will die Regierung von Theresa May Flugzeuge chartern und Medikamente einfliegen lassen. Das erklärte Gesundheitsminister Matt Hancock am Freitag. Scheitert Mays Brexit-Abkommen im britischen Parlament, ist mit schweren Versorgungsengpässen zu rechnen.

In London liegen die Nerven blank. Am Dienstag stimmt das britische Unterhaus über den Brexit-Deal ab, den Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelt hat – und die Wetten stehen momentan gegen May. Scheitert sie an den Commons, sieht alles danach aus, dass Großbritannien die EU ohne ein Austrittsabkommen verlässt. Wortwörtlich über Nacht würde das Vereinigte Königreich damit zum Drittstaat, mit dem nach den allgemeinen Regeln der Welthandelsorganisation WHO Handel getrieben werden muss, das heißt: inklusive Zollkontrollen.

Die EU-Kommission betont, dass die europäischen Staaten diese vollumfänglich umsetzen würden. Regierungen und Behörden erwarten für diesen Fall wochenlange Verzögerungen und teils den Abriss ganzer Liefer- und Versorgungsketten. 45 Millionen Packungen Arzneimittel verlassen Großbritannien jeden Monat in Richtung EU, in die umgekehrte Richtung gehen 37 Millionen Packungen. Laut Mike Thompson, Hauptgeschäftsführer des britischen Pharmaverbands ABPI, gehen 90 Prozent dieser Im- und Exporte durch das Nadelöhr Calais, die wichtigste Schlagader des britischen Außenhandels. Im Sommer erläuterte die Regierung deshalb die „Operation Brock“: Die Autobahn M20 von London nach Dover wird halbseitig gesperrt, um als Warterampe für die LKW auf dem Weg zum wichtigsten britischen Hafen zu dienen.

Während eine Verteuerung oder ein Wegfall vieler Konsum- oder Lebensmittel schmerzhaft, aber zu verkraften wäre, sind Arzneimittel lebensnotwendig. Britischen Medienberichten zufolge könnte es im Falle eines Austritts ohne Abkommen innerhalb von 24 Stunden zu Versorgungsengpässen kommen. Bereits im Sommer hatte die britische Regierung deshalb angekündigt, Arzneimittelvorräte anzulegen, um das zu vermeiden. „Wir arbeiten gemeinsam mit den Herstellern daran, für den Fall eines Brexits ohne Abkommen die notwendigen Reserven einzulagern“, so Gesundheitsminister Matt Hancock im Sommer. Ein besonderes Problem seien dabei Präparate allerdings mit geringer Haltbarkeitsdauer, denn die sind ganz besonders auf funktionierende Lieferketten angewiesen.

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