Hans Kaminski

Stavenhagen: Apotheker will Bürgermeister werden

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Berlin -

Apotheker in kleinen Orten haben bekanntermaßen mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen. Hans Kaminski will diese nun in die eigene Hand nehmen: Der Inhaber der Eichen-Apotheke in Stavenhagen kandidiert für das dortige Bürgermeisteramt. Was aus seiner Apotheke wird, falls er gewählt wird, weiß er schon.

Stavenhagen ist eigentlich eine Augenweide: Schloss mit Park, Seen, barockes Rathaus samt Museum über Fritz Reuter, den bekanntesten Sohn der Stadt und wichtigsten Schriftsteller der niederdeutschen Sprache. Doch wie so viele ländliche Kleinstädte im Osten der Republik zählt auch das 5000-Seelen-Städtchen nicht zu den Gewinnern des Strukturwandels. Zumindest in einer Hinsicht hatte Stavenhagen aber bisher Stabilität: Seit Dezember 1985 hat der Ort denselben Bürgermeister, den parteilosen Bernd Mahnke. Aufgrund gesundheitlicher Probleme hatte Mahnke aber kürzlich angekündigt, zum ersten September sein Amt niederzulegen. Damit beginnt nun das Rennen um seine Nachfolge.

Einer der bisher drei Kandidaten, die ihren Hut in den Ring werfen, ist Kaminski. Seit fünf Jahren sitzt er bereits für die Linke im Stadtrat. Parteimitglied ist er allerdings nicht, sondern vielmehr durch persönliche Kontakte in die Lokalpolitik gekommen. „Es hat mich damals sehr interessiert, wie die Geschicke der Stadt geleitet werden“, sagt er. So sei er dann in die Lokalpolitik hineingewachsen. Die Entscheidung zur Kandidatur war da nur folgerichtig, denn es gibt nicht nur einiges anzupacken, sondern er ist dem Ort auch fest verbunden.

Kaminski kommt aus Stavenhagen. Seit 1993 hat seine Mutter die Eichen-Apotheke betrieben, 2007 hat er sie mit gerade einmal 27 Jahren übernommen. „Ich habe nach dem Studium ein halbes Jahr Einarbeitungszeit gehabt und bin danach direkt neuer Inhaber geworden“, erzählt er. Und seitdem hat er sich gut behauptet, denn trotz der geringen Größe des Ortes hat Stavenhagen drei Apotheken. „Das ist natürlich schwierig“, sagt er. „Aber im Moment läuft es für uns relativ stabil, sodass ich mich nicht beschweren will. Das wäre meckern auf hohem Niveau.“

Kritischer sieht er da schon die wirtschaftliche Lage des Ortes, den er verwalten will. „Wir kämpfen hier mit den gleichen Probleme wie viele andere Kleinstädte auch“, sagt er. „Der Einwohnerschwund zum Beispiel: Es sterben mehr Leute als geboren werden oder zuziehen. Und auch die Innenstadt ist leider nicht mehr wirklich belebt. Kleine Läden können sich zwar meiner Meinung nach halten, wenn sie sich richtig spezialisieren, aber sie brauchen eben auch das Publikum dazu.“ Außerdem habe die Stadt noch ein Kreuz aus der Vergangenheit zu schleppen: „Bis vor einigen Jahren war Stavenhagen finanziell noch eine recht gute Kommune, wir hatten einige Firmen hier, die viel Gewerbesteuer gezahlt haben.“ Dann sei aber bei mehreren Firmen eine Steuerprüfung durchgeführt worden, bei der herauskam, dass sie in Stavenhagen zu viel und in ihren Niederlassungen in Hamburg zu wenig Steuern gezahlt haben. Die Konsequenz: Die Kommune bekam eine massive Steuerrückzahlung inklusive Strafzinsen aufgebrummt. „Da haben wir heute noch dran zu knabbern“, sagt er.

Eine Idee, wie die Stadt die wegen der Strafzinsen aufgenommenen Kredite wieder los wird, habe er – könne sie aber noch nicht verraten, denn er müsse „erst eruieren, ob das so durchführbar ist“. Aber auch abseits der Finanzen gebe es viel anzupacken. „Es ist natürlich kein schöner Anblick, wenn man durch die Stadt läuft und weiß, wo früher alles Geschäfte waren“, sagt er. „Mein Ziel ist es deshalb, Stavenhagen für Arbeitgeber und -nehmer wieder attraktiver zu machen, damit sich hier wieder mehr Gewerbe ansiedeln und mehr Touristen kommen. Das schaffe ich aber nicht allein, sondern nur mit der Verwaltung im Rücken.“ Ob er sich gegen seine zwei Mitbewerber durchsetzen wird, könne er noch nicht sagen. „Aber meine Chancen sind nicht die schlechtesten“, sagt er.

Den Rücken stärkt ihm auch das Team in seiner Apotheke, zwei PTA und zwei PKA. „Mit ihnen habe ich Kandidatur vorher besprochen und ihnen versichert, dass ich das nur unter der Voraussetzung mache, dass ihre Arbeitsplätze sicher sind.“ Und das sind sie, denn Kaminski hat ein Back-up für die Apotheke: seine Frau. Die ist nämlich auch Apothekerin, arbeitet aber als Approbierte im Nachbarort. „Da bin ich in einer glücklichen Lage. Wir haben das in Ruhe besprochen, denn ich war entschlossen, mich nur zu bewerben, wenn sie voll hinter mir steht und bereit ist ihren Arbeitsplatz zu wechseln, falls ich gewinne.“

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