GSAV

Cannabis: Schnellverfahren für Klinikrezepte Tobias Lau, 23.08.2019 09:43 Uhr

Berlin - Für die mittlerweile zu Canopy gehördende Firma Bionorica Ethics ist das gerade in Kraft getretene Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) ein Grund zur Freude: Denn eine Ergänzung des „Cannabis-Paragraphen“ im Sozialgesetzbuch (SGB V) erleichtere ab sofort die Anschlussversorgung von Patienten, die während eines Klinikaufenthalts auf Dronabinol eingestellt wurden. Weniger erfreulich dürfte die Regelung hingegen für die Krankenkassen sein.

Mit dem GSAV wurde § 31 Abs. 6 SGB V ergänzt: In Bezug auf die Genehmigungsfrist der Krankenkassen sind Patienten beim Übergang von stationärer zu ambulanter Versorgung nun mit solchen Patienten gleichgestellt, die Cannabinoide im Rahmen einer spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) verordnet bekommen haben.

Das heißt, dass die Krankenkasse von nun an nur noch drei Tage Zeit hat, über einen Antrag auf Kostenübernahme der ambulanten Weiterführung einer Therapie zu entscheiden, wenn ein Patient stationär auf eine Cannabinoid-Therapie eingestellt wurde. Kann sie diese Frist nicht einhalten, muss sie die Verzögerung schriftlich begründen. Wenn sie die Frist ohne Begründung verstreichen lässt, gilt der Antrag als fiktiv genehmigt und die Therapie kann auf ihre Kosten fortgesetzt werden. Im ursprünglichen Gesetzentwurf zum GSAV sollte die Antragspflicht zur Fortführung eigentlich komplett wegfallen – wurde ein Patient stationär eingestellt, hätte die Therapie ohne eine erneute Genehmigung weitergeführt werden können. Dem stellten sich aber die Kassen entgegen. Ihr Argument: Das würde der Entstehung von Cannabis-Kliniken Vorschub leisten, in denen Patienten nach kurzem Aufenthalt Verordnungen ausgestellt werden, für die die Kassen dann dauerhaft zahlen müssten.

Bisher betrug die Frist drei Wochen, wurde der MDK eingeschaltet, sogar fünf. „Dies führte häufig zu einer Therapie-Unterbrechung oder sogar zu einem Therapieabbruch bei schwerkranken Patienten“, heißt in einer Mitteilung von Bionorica Ethics. Die neue Regelung hingegen ermögliche nun eine lückenlose Versorgung der Patienten mit Cannabinoiden. Das gelte vor allem, wenn der Antrag auf Kostenübernahme bereits während des Klinikaufenthalts gestellt werde. Zwar müsse der Antrag formal vom Patienten als Versicherungsnehmer gestellt werden, „entscheidend für den Erfolg sind jedoch die Angaben im Arztfragebogen, so dass hier eine neue Aufgabe auf das Entlassmanagement der Klinik zukommt“, so Bionorica Ethics. An den zeitlichen Regelungen in der ambualnten Versorung hat sich indes nichts geändert: Hier sind weiterhin drei ohne und fünf Wochen mit MDK vorgesehen. Dem Vernehmen nach ist die Einschaltung des MDK bei Cannabis-Verordnungen aber eher die Regel als die Ausnahme. Stationäre Cannabis-Verordnungen werden dabei vergleichsweise wenig ausgestellt, größere Verschiebungen sind durch die Gesetzesänderung also eher nicht zu erwarten.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Mehr zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Markt

Sanofi übergibt an Angelini

Die Boxagrippal-Lücke»

aposcope

Supplemente für Kinder: Abgabe steigt»

Verbrauchermagazine

Marktcheck checkt Iberogast»
Politik

Bundesgesetzblatt

Mehr Geld für Notdienst und BtM»

1. Lesung im Bundestag

Masernschutz und ein bisschen VOASG»

Gabelmann: „Eiertanz ist schiefgegangen“

Lobbyismus beim VOASG: BMG gibt nur widerwillig Auskunft»
Internationales

Arzneimittelversorgung

Hersteller hoffen auf Brexit-Deal»

WHO-Studie

So locken andere Länder Apotheker aufs Dorf»

Risperdal

Milliarden-Urteil gegen Johnson & Johnson»
Pharmazie

AMK-Meldung 

Schwarze Flecken, Verfärbte Tabletten und mehr»

Galenus-von-Pergamon-Preis

Bundesregierung zeichnet Shingrix und Reagila aus»

USA

Xofluza für Hochrisikopatienten»
Panorama

Ausschuss-Tagung

WHO-Experten prüfen Fortschritte im Kampf gegen Ebola»

Gespräch mit Ärztevertretern

Spahn stimmt Patienten auf Telemedizin ein»

TV-Show

Bachelor in Paradise: Pharmareferentin sucht die Liebe»
Apothekenpraxis

Schmidt zu Lieferengpässen

„Es macht uns viel Arbeit. Und es macht keinen Spaß.“»

Lieferengpässe

BPI: Natürlich sind die Kassen schuld»

vdek-Analyse

Kassen: Welcher Lieferengpass?»
PTA Live

LABOR-Debatte

Eine Hand wäscht die andere: Handel zwischen Apotheken?»

Nach Bundesratsbeschluss

PTA hoffen auf echte Reform»

Rundumblick gefordert

Über die Bedeutung der Psychologie in der Offizin»
Erkältungs-Tipps

Heilpflanzenportrait

Salbei – Heilung aus dem Mittelalter»

Phytotherapie

Schleimstoffe: Balsam für den Hals»

Bakterielle Infektionen

Mittelohrentzündung: Superinfektion des Ohrs»
Magen-Darm & Co.

Heilpflanzenporträt

Wermut – Quelle der Bitterkeit»

Dyspeptische Beschwerden 

Abwarten und Tee trinken»

Magen-Darm-Infektionen

Hygiene und Vorbeugung»
Kinderwunsch & Stillzeit

Schwangerschaftveränderung

Wenn nicht nur der Bauch wächst»

Bewegen, bewegen, bewegen

Fit durch die Schwangerschaft»

Kinderwunsch und Schwangerschaft

Schilddrüse: Problemfaktor in der Schwangerschaft? »