Kirsten Khaschei analysiert Patientengespräche

Beratungspsychologie – zwischen den Zeilen Tobias Lau, 23.08.2019 08:28 Uhr

Berlin - Vor allem Ärzte, aber auch Apotheker werden viel dafür gescholten, unverständlich mit Patienten zu kommunizieren, Fachchinesisch zu reden oder sich nicht genug Zeit zu nehmen. Doch auch umgekehrt gilt: Die Kommunikation vieler Patienten ist verbesserungsfähig. Die Psychologin Kirsten Khaschei beschäftigt sich seit langem mit Gesprächsführung zwischen Patienten und Heilberuflern. Zuletzt hat sie der Frage, worauf Patienten im Arztgespräch achten sollten, ein ganzes Buch gewidmet. Im Gespräch erklärt sie, worauf Apotheker und PTA beim Umgang mit Patienten und Kunden achten sollten.

„Arztgespräche richtig führen – So mache ich mich verständlich“ ist gerade im Dudenverlag erschienen. „Auf beiden Seiten besteht ein großes Bedürfnis nach hilfreichen und klärenden Gesprächen – egal, ob es dabei in der Hausarztpraxis um Medikamente gegen Magenbeschwerden geht oder im Krankenhaus um die Narkose vor einer geplanten Operation“, schreibt Khaschei. Die Patienten bewegen sich dabei oft auf einem schmalen Grat zwischen Eigenverantwortung und Überforderung.

„Es handelt sich bei Gesprächen mit Ärzten und Apothekern gleichermaßen meist um eine Situation, in der ein angeschlagener Mensch Hilfe sucht. Und kranke Menschen zeichnet oft ein großes Informationsbedürfnis aus“, erklärt sie im Gespräch. „Gleichzeitig haben die Patienten teilweise nur ein geringes Gesundheitswissen. Das gilt es zu beachten.“ Da man einem Patienten, den man nicht kennt, nicht auf Anhieb ansehen kann, wie fundiert sein Wissen ist, sei es ratsam, stets „dessen Informationsbedürfnis zu spiegeln“, wie Khaschei es ausdrückt. Konkret heißt das vor allem, den Patienten nicht einfach zu belehren, sondern ihn dazu zu motivieren, Nachfragen zu stellen. Nicht nur kann er sich seine Informationen dann selbst nach Bedarf einholen, er gibt dem Apotheker damit auch Anhaltspunkte über den Grad seines eigenen Vorwissens.

„Nutzerfreundliche Kommuniktation“, nennt Khaschei das. „Man darf sich nicht hinstellen und sagen: ‚Ich bin hier, schau mal, was ich alles weiß.“ Ein weiterer psychologischer Mechanismus spielt dabei ebenfalls eine Rolle: „Wenn ich etwas einfach nur herunterspule, gebe ich dem Patienten unterbewusst das Gefühl, dass die Informationen nicht so wichtig wären.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Markt

Generikakonzerne

Neues Labor für Teva-Azubis»

Sorge vor ungeordnetem Brexit

Merck stockt Arzneilager auf»

Versandapotheken

Aponeo: Saison- und Bündelangebot»
Politik

FDP-Vize glaubt nicht an AKK

K-Frage: Kubicki setzt auf Spahn»

Drogenpolitik

Lauterbach: Cannabis soll Ordnungswidrigkeit werden»

Umstrittener Glossareintrag

BMG: Botendienst statt Online-Apotheke»
Internationales

DisposeRx

Altmedikamente: Gelklumpen statt Toilette»

12-Milliarden-Vergleich

Purdue: 1,5 Milliarden für Mundipharma»

USA

Kalifornien verschärft Impfpflicht für Kinder»
Pharmazie

Multiple Sklerose

Interferon beta: Keine Auswirkungen auf Schwangerschaft»

Droht die nächste Rückrufwelle?

NDMA: EMA prüft Ranitidin»

OTC-Switch

Desloratadin: Hexal gewinnt gegen BMG»
Panorama

Chemikalienunfall

Feuerwehr mit Atemmaske, Kammer mit Gebührenbescheid»

WHO

Behandlungsfehler: Jede Minute sterben fünf Menschen»

Bargeld und Medikamente gestohlen

Brachiale Methoden bei Apothekeneinbrüchen»
Apothekenpraxis

ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Roter Afghane»

APOSCOPE-Umfrage

Jedes dritte Warenlager ist fremdfinanziert»

Exklusivvereinbarung

Noventi und Gehe finanzieren Apotheken»
PTA Live

Nahrungsergänzungsmittel

Magnetrans als Zweiphasentablette»

Überarbeitete Leitlinien

Abgrenzung Wirk- und Hilfsstoffe»

Jubiläum

50 Jahre PTA-Lehrakademie Köln»
Erkältungs-Tipps

Bakterielle Infektionen

Mittelohrentzündung: Superinfektion des Ohrs»

Atemwegserkrankungen

Wenn der Hals dick wird»

Psychogene Erkrankungen

Wenn die Psyche Husten hat»
Magen-Darm & Co.

Verdauungsorgane

Bauchspeicheldrüse: Ein Organ, zwei Funktionen»

Brechdurchfall

Noroviren: Gefürchtet in Kita und Krankenhaus»

Magen-Darm-Beschwerden

Starkes Trio: Fenchel, Kümmel, Anis»
Kinderwunsch & Stillzeit

Supplemente in der Schwangerschaft

Folat, Jod & Co.»

Der weibliche Zyklus

Von Hormonen, Eisprung und Menstruation»

Schwangerschaft

Das dritte Trimester: Positionswechsel und Gewichtszunahme»