Antimykotika in der Schwangerschaft

Fluconazol: Risiko für Fehlgeburt und Herzfehler APOTHEKE ADHOC, 21.02.2019 14:21 Uhr

Berlin - Topische Azole sind Mittel der Wahl bei vaginalen Pilzinfektionen. In der Schwangerschaft wird häufig orales Fluconazol zur Behandlung eingesetzt. Weil für der Arzneistoff jedoch ein embryotoxisches Risiko bekannt ist, wird die Anwendung von systemischem Fluconazol im ersten Trimenon nicht empfohlen und auch im weiteren Verlauf der Schwangerschaft nur bei zwingender Indikation. Ein kanadisches Forscherteam hat die Auswirkungen von niedrigem und hochdosiertem Fluconazol in Bezug auf spontanen Abort, Totgeburten oder schwerwiegende Fehlbildungen untersucht und die Ergebnisse im Fachmagazin „Canadian Medical Association Journal“ veröffentlicht.

Fluconazol hemmt als Triazolderivat die Ergsterol-Synthese und führt zu Membrandefekten der Pilzzellen. Der Wirkstoff ist je nach Dosis fungistatisch oder fungizid und besitzt ein breites Wirkspektrum. Die Kapseln werden einmal täglich im Ganzen unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen. Die Dauer der Anwendung ist von der Indikation abhängig. Das Antimykotikum ist ein starker CYP 2C9-Inhibitor und hemmt CYP 3A4 nur schwach. Die embryotoxische Wirkung des Antimykotikum ist auf Hemmung des Enzyms Lanosterin-Demethylase zurückzuführen. Denn beim Menschen führt dies zu einer veränderten Cholesterin-Synthese, welche für die Zellbildung von Embryo und Fetus essentiell ist.

Die kanadischen Wissenschaftler haben in einer Kohortenstudie den Einfluss von Fluconazol in der Schwangerschaft untersucht. In den Jahren 1998 bis 2015 zählt die „Quebec Pregnancy Cohort“ 441.949 Schwangerschaften; 320.868 wurden in die Analysen von spontanen Aborten, 226.599 zu angeborenen Missbildungen und 7832 zu Totgeburten einbezogen. Etwa 30.000 Schwangerschaften endeten zwischen der 6. und 19. Schwangerschaftswoche vorzeitig.

Mit 69,5 Prozent wurde der Großteil der Frauen während der Schwangerschaft mit niedrig dosiertem Fluconazol (150 mg als einmalige Gabe) behandelt. Die systemische Anwendung war in der Frühschwangerschaft im Vergleich zu keiner Anwendung mit einem erhöhten Risiko für spontanen Abort verbunden. Unterschiede gibt es bezüglich der Dosierung. Bei niedrig dosiertem Fluconazol liegt die Anzahl bei 345, für höheren Dosen bei 249.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Markt

500-Millionen-Euro-Deal

Cheplapharm kauf Antra und Seroquel»

Movember beim Großhändler

Haarige Angelegenheit: Gehe sammelt Spenden ein»

Pharmakonzern brüskiert Gewerkschaft

Sanofi-Umbau: Gegenwind aus Höchst»
Politik

eRezept in der Praxis

Digital trifft analog: Erstes eRezept auf Papier»

ABDA

Friedemann Schmidt hört auf»

Telematikinfrastruktur

Konflikt gelöst: Gematik soll SMC-B-Card ausgeben»
Internationales

Minderheitsbeteiligung in Lieferdienst

Ärger mit Kartellamt: Amazon investiert in Deliveroo»

Grenz-Schmuggel

Mit Drogen im Koffer zum Osnabrücker Weihnachtsmarkt»

Tschechien

Computervirus legt Klinik lahm»
Pharmazie

Neurodegeneration

Neue Schmerz-Skala für Demenz-Patienten»

OTC-Switch

Nach Urteil: Desloratadin bald ohne Rezept»

Leitlinien

Adipositas bei Kindern: Prävention durch Bewegung»
Panorama

Erinnerungskoffer für Fußballfans

HSV und St. Pauli wollen Demenzkranken helfen»

Kinder-Onkologie

Charité: Personalmangel stoppt Neuaufnahmen»

Foodwatch kritisiert Klöckner scharf

Personalmangel: 250.000 Lebensmittelkontrollen fallen aus»
Apothekenpraxis

Drittes Quartal 2019

Notdienstpauschale beträgt 280,09 Euro»

Arzneimittelnotstand ausgerufen

Nach Schließung: Amt will Apotheker anstellen»

Registrierkassengesetz

ABDA: Kassenbons müssen geschreddert werden»
PTA Live

Polyneuropathie

Taubheitsgefühle mit TCM lindern»

Viruserkrankungen bei Kindern

Drei-Tage-Fieber: Harmlose Herpesinfektion»

PTA-Schulen

Putin lädt zum Wettbewerb: PTA-Schüler reisen nach Moskau»
Erkältungs-Tipps

Nahrungsergänzung im Winter

Zink & Vitamin C: Das Erkältungs-Duo»

Erkältungstipps

Anatomische Erkältungsreise: Nasennebenhöhlen»

Halsentzündungen

Seitenstrangangina: Selten aber schmerzhaft»
Magen-Darm & Co.

Fermentierte Lebensmittel

Besser als Probiotika? Kombucha, Kimchi & Co.»

Funktionelle Magen-Darm-Beschwerden

Reizmagen: Vielseitiger Symptomkomplex»

Magen-Darm-Beschwerden bei Kindern

Dreimonatskoliken: Schreiattacken mit unklarer Ursache»
Kinderwunsch & Stillzeit

Tabuthema Pilzinfektionen

Vaginalpilz in der Schwangerschaft»

Wochenbettdepression

Vom Tief nach der Geburt»

Behördengänge

Geburtsurkunde, Krankenkasse & Co. – An alles gedacht?»