Apo-Tipp

Interaktionen und Nebenwirkungen: Analgetika Teil 1 APOTHEKE ADHOC, 11.11.2019 14:42 Uhr

Berlin - Analgetika spielen in der Selbstmedikation und bei der Behandlung chronischer Schmerzen eine große Rolle. Die einzelnen Wirkstoffgruppen sind unterschiedlich gut für einzelne Schmerzarten geeignet. Jeder Arzneistoff hat seine ganz eigenen Neben- und Wechselwirkungen, einen Auszug derer behandelt dieser erste Teil. Im Teil 2 dreht sich alles um Kontraindikationen und die Missbrauchsrisiken.

Nebenwirkungen und Überdosierung

NSAID: Alle NSAID können gastrointestinale Beschwerden wie Magenschmerzen auslösen. Gerade bei ASS ist mit einer erhöhten Blutungsneigung zu rechnen, diese kann bis zu acht Tage nach Absetzen des Arzneimittels anhalten. Unter der Gabe von NSAID kann es ebenfalls zum Anstieg der Leberwerte kommen, insbesondere bei Diclofenac wurden Anstiege der Leberenzyme beobachtet. Bei dauerhafter Einnahme oder starken Überdosierungen können gastrointestinale Blutungen und Magenschleimhautentzündungen auftreten. Darüber hinaus können Hautausschläge und Urtikaria auftreten. Unter der Einnahme von COX-2-Hemmern wurden vermehrt kardiovaskuläre Ereignisse beobachtet.

Paracetamol: Das Analgetikum ist weitestgehend gut verträglich. Kommt es nach der Einnahme zu Symptomen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Blässe, so können dies Anzeichen einer Überdosierung sein. Paracetamol darf seit mehreren Jahren nur noch in Packungsgrößen mit maximal zehn Gramm reinem Wirkstoff freiverkäuflich vertrieben werden. Das Analgetikum wurde vermehrt bei Suizid-Versuchen eingenommen. Ab einer Einnahme von mehr als zehn Gramm Paracetamol ist mit relevanten Leberschädigungen zu rechnen. Die Abgabe von mehreren Packungen sollte deshalb unterlassen werden. Bei einer starken Überdosierung kommt es zu Leberzellnekrosen und folglich zum Leberversagen. Als Antidot bei einer Vergiftung wird N-Acetylcystein (ACC) eingesetzt. Bei Kleinkindern liegt die letale Dosis mitunter schon bei einem Gramm Paracetamol.

Metamizol: Eine seltene, jedoch schwerwiegende Nebenwirkung von Metamizol ist die Agranulozytose. Aufgrund der hohen Verordnungszahlen (über 200 Millionen DDD im Jahre 2018) tritt die Nebenwirkung im relevanten Ausmaß auf. Das typische Symptom-Trias beinhaltet Fieber, Halsschmerzen und Schluckbeschwerden. Patienten sollten bei der Verordnung darauf sensibilisiert werden.

Opiode: Diese Wirkstoffe besitzen ähnliche Nebenwirkungen: Verstopfung, Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit und Appetitlosigkeit gehören zu den häufigsten gastrointestinalen Nebenwirkungen. Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Verwirrung, Angst, Euphorie sowie Dysphorie gehören zu den häufigsten zentralen Nebenwirkungen. Darüber hinaus kann es zu Miosis, Atemdepression und Herz-Kreislauf Problematiken kommen. Bei einer dauerhaften Opiod-Einnahme kommt es zu einer Toleranzentwicklung, sodass Betroffene immer höhere Dosen zur Schmerzlinderung benötigen. Eine Möglichkeit diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist die sogenannte Opioid-Rotation. Hierbei wechselt der behandelnde Arzt auf ein anderes Opioid. Um eine gleiche Wirkung zu erreichen, muss die bestehende Opioid-Medikation in Morphin-Äquivalente umgerechnet werden. Opiode besitzen zum Teil eine geringe therapeutische Breite, sodass Überdosierungen schnell zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie einem verlangsamten Herzschlag, flacher Atmung und allgemeiner Somnolenz führen können. Die Dosierung von Opioiden muss dem Alter angepasst werden. Zum besseren Verständnis können Apotheker und PTA die Priscus-Liste zu Hilfe nehmen.

  • 1
  • 2

APOTHEKE ADHOC Debatte

Weiteres
Markt

eRezept-Projekt

Teleclinic schießt gegen Kry und DocMorris»

Pharmadienstleister

Sartorius kauft in Israel»

Apotheken-Apps

Phoenix klebt Plakate für „Deine Apotheke“»
Politik

Registrierkassengesetz

Papierindustrie gibt Entwarnung: Kein Extra-Mülleimer für Bons»

Westfalen-Lippe

Erschreckende Bilanz: 100 Schließungen in zwei Jahren»

Eppendorfer Dialog

Hennrich: Der Regel-Apotheker lebt in der alten Welt»
Internationales

Lohnhersteller

Rentschler: Pleite in Österreich»

Streit um Apothekerpreise

Ramschpreis für EllaOne: Apotheken unter Beschuss»

Alexa macht jetzt Medikationsmanagement

Amazon kooperiert mit Omnicell und Apothekenkette»
Pharmazie

Lungenkrebs

Weitere US-Zulassung für Tecentriq»

Neurodegenerative Erkrankungen

Parkinson: Proteinablagerungen als Therapieansatz?»

Rückruf

Fagron: Colistinsulfat und Chloramphenicol müssen zurück»
Panorama

Nikolaus-Aktion

400 Stiefel im Abholerregal»

Auszeichnung für Svenja Lücke

Amtlich: Stifts-Apotheke hat die beste PKA»

Umstrittenes Experiment

Gen-Babys: Manuskripte werfen Zweifel auf»
Apothekenpraxis

Positionspapier gegen Lieferengpässe

Bestandsabfrage für Apothekenkunden»

Verunreinigung

Metformin: Kommt das NDMA aus dem Blister?»

Verunreinigungen

NDMA: Jetzt auch Metformin betroffen»
PTA Live

Spendenaktion

Metalheads and Pets: PTA engagiert sich fürs Tierheim»

PTA-Preis

Avie prämiert „die stillen Helden in der Apotheke“»

Wundversorgung

Fünf Tipps zur Pflasterauswahl»
Erkältungs-Tipps

Halsentzündungen

Seitenstrangangina: Selten aber schmerzhaft»

Erkältungs-Tipps

Anatomische Erkältungsreise – Lunge und Bronchien»

Lästige Begleiterscheinung

Schnarchen durch Erkältung»
Magen-Darm & Co.

Funktionelle Magen-Darm-Beschwerden

Reizmagen: Vielseitiger Symptomkomplex»

Magen-Darm-Beschwerden bei Kindern

Dreimonatskoliken: Schreiattacken mit unklarer Ursache»

Pro-, Prä-und Synbiotika

Nahrung für die Darmflora»
Kinderwunsch & Stillzeit

Tabuthema Pilzinfektionen

Vaginalpilz in der Schwangerschaft»

Wochenbettdepression

Vom Tief nach der Geburt»

Behördengänge

Geburtsurkunde, Krankenkasse & Co. – An alles gedacht?»