Forscher kontern Lauterbach

Ärzte nicht zu oft auf dem Golfplatz

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Berlin -

In die Diskussion um patientenfreundlichere Praxis-Sprechstunden mischte sich kürzlich SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD): „Der ein oder andere Arzt wird ab Mittwochnachmittag auf dem Golfplatz gesehen“, nutze er ein weit verbreitetes Vorurteil zur Kritik. Stimmt nicht, sagen jetzt US-Statistiker – jedenfalls für die USA. Dort golfen eher weniger Ärzte als der Bevölkerungsdurchschnitt. Jetzt wollen die Forscher noch ermitteln, ob Ärzte ihre Patienten am nächsten Tag nach einer schlechten Golfrunde büßen lassen.

Nicht nur Medizinern, sondern auch Apothekern wird nachgesagt, ihre Freizeit häufig auf dem Golfplatz zu verbringen, vor allem am Mittwochnachmittag. Wissenschaftler um Professor Dr. Anupam B. Jena von der Universität in Boston haben dieses Vorurteil jetzt für die US-amerikanischen Ärzteschaft untersucht und in der Weihnachtsausgabe des „British Medical Journal“ veröffentlicht. Wie die Ärzte Zeitung berichtet, nutzen die Wissenschaftler dazu Daten der Doximity physician database sowie der US Golfing Association amateur golfer database. In der ersten sind die beruflichen Profile der meisten US-amerikanischen Ärzte gelistet. Die zweite wird von Amateurgolfern genutzt, um ihre spielerischen Fähigkeiten zu dokumentieren und ihr Handicap mit dem potenzieller Spielpartner zu vergleichen.

Von den insgesamt gut einer Million gelisteten Ärzten posteten 4,2 Prozent regelmäßig ihre Golfergebnisse in der Amateur-Datenbank. Danach scheint das Golfspielen eine überwiegend von älteren Männern praktizierte Freizeitbeschäftigung zu sein. Während 5,5 Prozent der männlichen Ärzteschaft regelmäßig über das Grün wandern, schwingen nur 1,3 Prozent der Ärztinnen den Golfschläger. Die golfspielenden Ärzte waren im Durchschnitt 55 Jahre alt, golfspielende Ärztinnen mit 31 bis 35 Jahren deutlich jünger.

Allerdings: Damit liegt der Anteil Golf spielender Ärzte unter dem Durchschnitt der US-Bevölkerung. In den USA spielen rund 25 Millionen Menschen Golf. Das entspricht einem Bevölkerungsanteil von knapp 8 Prozent. Der Anteil von Golfern liegt in den USA damit deutlich über europäischem Niveau: Im europäischen Golfverbands EGA sind nur rund 4,4 Millionen Golfer registriert. Wie viele davon Ärzte oder Apotheker sind, ist nicht bekannt. Mit knapp 500.000 registrierten Golfern (5,1 Prozent) führt Schweden die EU-Hobbyliste an. In Deutschland gibt es knapp 650.000 Golfer, das sind weniger als 1 Prozent der Bevölkerung.

In den USA scheint das Golfen besonders beliebt bei den orthopädischen Chirurgen und den Urologen zu sein. Unter den Vertretern beider Fachdisziplinen spielten 9 Prozent beziehungsweise 8 Prozent regelmäßig Golf. Internisten und Infektionsmediziner hingegen konnten sich kaum für diese Freizeitbeschäftigung begeistern. Sie bildeten mit einem Anteil von 2,9 Prozent die Schlusslichter der Rangliste. Die Hausärzte rangierten mit einem Anteil von 3,6 Prozent golfspielender Kollegen im hinteren Drittel.

Als beste Golfer profilierten sich die operativ tätigen US-Mediziner. An der Spitze standen die Gefäßchirurgen mit einem durchschnittlichen Handicap von 14,7, dicht gefolgt von Thoraxchirurgen (Handicap: 14,8) und orthopädischen Chirurgen (Handicap: 14,9). Hausärzte fanden mit einem durchschnittlichen Handicap von 16,1 im Mittelfeld wieder. Am schlechtesten schnitten Dermatologen (Handicap: 17,2), Onkologen (Handicap: 17,2) und Endokrinologen (Handicap: 18,1) ab. Zu ihrer Ehrenrettung sei aber gesagt, dass sie mit 13,3 Runden weitaus weniger Zeit auf Golfplätzen verbrachten als die Spitzenreiter mit 15,5 Runden.

Gegen die These, dass Ärzte mehr Zeit als andere Berufsgruppen auf dem Golfplatz verbringen, spricht auf das durchschnittliche Handycap von 15. Dieses liegt knapp über dem Durchschnitt aller Golfspieler. Demnächst wollen die Wissenschaftler herausfinden, ob und vor allem wie sich das Golfspielen auf die Mortalität der Patienten und deren Behandlungskosten auswirkt.

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