Kette droht Filialschließung

Walgreens: Fake-Apothekerin arbeitet zehn Jahre ohne Approbation APOTHEKE ADHOC, 01.02.2019 14:10 Uhr

Berlin - Walgreens muss sich in den USA erneut vor Gericht verantworten, diesmal zusammen mit einer ehemaligen Mitarbeiterin. Diese soll über zehn Jahre als angestellte Apothekerin in mehreren kalifornischen Filialen gearbeitet haben – ohne jemals approbiert gewesen zu sein. In der Zeit hat sie fast eine Dreiviertelmillion Verordnungen bedient. Erst durch eine Revision flog der Schwindel auf. Walgreens werden schwere Mängel bei der Überprüfung seiner Apotheker vorgeworfen, drei Filialen der Apothekenkette droht sogar die Schließung.

Die Apothekerkammer von Kalifornien wirft der ehemaligen Walgreens-Angestellten Kim Thien Le vor, von November 2006 bis September 2017 in drei verschiedenen Filialen in der Gegend südlich von San Francisco als angestellte Apothekerin gearbeitet zu haben, obwohl sie niemals eine Approbation erlangt hat. Insgesamt habe sie in dem Zeitraum 745.355 Rezepte bedient, darunter 100.701 Betäubungsmittelverordnungen.

Aufgeflogen war der mehr als zehnjährige Betrug erst kurz bevor Le aufgehört hatte, für Walgreens zu arbeiten. Im Rahmen einer Revision in der Apotheke war den örtlichen Pharmazieräten aufgefallen, dass es bei Dutzenden von bedienten Rezepten über das Anxiolytikum Alprazolam teils schwere Formfehler gab. Alle Rezepte trugen das Kürzel KTM – für Kim Thien Le. Bei der darauffolgenden Überprüfung ihrer Unterlagen kam heraus, dass sie bei ihrer Anstellung die Approbationsnummer einer Apothekerin mit dem gleichen Namen angegeben hatte – weitere Unterlagen wie einen Universitätsabschluss aber anscheinend gar nicht eingereicht hatte.

Kurz darauf konfrontierten sie die Pharmazieräte mit den Vorwürfen. Le habe die gar nicht erst bestritten, heißt es in der Klageschrift, sondern geantwortet: „Mein Sohn und ich wären sehr dankbar, wenn Sie diese Sache einfach vergessen könnten.“ Sie werde „jedes Bußgeld zahlen“, das ihr auferlegt werde, und „nicht wieder als Apothekerin arbeiten“. Die falsche Apothekerin könnte jedoch einiges mehr erwarten als ein Bußgeld. Angeklagt ist sie unter anderem wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Den drei Walgreens-Filialen, in denen sie gearbeitet hat, droht der Entzug ihrer Betriebslizenz.

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