Telemedizin

Teleclinic bietet Online-Sprechstunde

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Berlin -

Noch ist in Deutschland die ärztliche Fernbehandlung eine Ausnahme. Verordnen können die Online-Ärzte nicht. Aber das Fernverordungsverbot könnte in der anstehenden AMG-Novelle gelockert werden, so Kordula Schulz-Asche, Berichterstatterin für Arzneimittel in der Grünen-Fraktion. Ein Telemedizin-Dienstleister ist jetzt schon an den Start gegangen.

Katharina Jünger ist Geschäftsführerin und eine der drei Gründer von Teleclinic. Das Münchener Unternehmen bietet seit Mai 2016 Arztsprechstunden via Computer und Telefon an. Derzeit sind solche Sprechstunden eng begrenzt, denn finale Diagnose und Therapie müssen immer im persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patient besprochen werden.

Jünger will die Ärzte von Teleclinic für die Einholung einer ärztlichen Erstmeinung jedem zugänglich machen: „Wir wollen für alle Menschen die erste Anlaufstelle für Fragen rund um ihre Gesundheit sein“, sagte sie in einem Bericht des Handelsblatts. Auch Anrufe aus dem Ausland sind möglich.

Teleclinics Service ist täglich zwischen 6 und 23 Uhr erreichbar. Per Telefonanruf oder Videochat können Patienten die derzeit neun Ärzte des Start-Ups kontaktieren. Die Wartezeit bis zum Arztgespräch soll unter einer Stunde liegen. Notfälle behandeln die Teleclinic-Ärzte nicht; das Unternehmen verweist an den Notdienst.

Die Mediziner werden angelehnt an die Gebührenordnung der Ärzte vergütet. Dazu zahlen die Patienten monatlich eine Pauschale von zehn bis 50 Euro – je nach gebuchten Leistungen. Aktuell schon verfügbar ist nur ein „Earlybird“-Angebot für 30 Euro im Monat: Es beinhaltet monatlich fünf Gespräche mit einem Allgemeinmediziner sowie ein Gespräch mit einem Facharzt. Ungenutzte Gespräche verfallen. Inkluiert ist auch eine reisemedizinische Beratung und der Chat mit medizinischem Fachpersonal. Teleclinic bietet Nutzern zudem an, Gesundheitsdaten verschlüsselt als digitale Krankenakte auf seinen Servern zu speichern.

Die private Krankenkasse Barmenia ist bereits aufgesprungen und übernimmt für ihre Versicherten die Kosten für alle Teleclinic-Angebote. In einem dreimonatigen Pilotprojekt soll evaluiert werden, ob der Service Kosten einsparen kann. Mit anderen Krankenkassen ist das Unternehmen im Gespräch. Die Techniker Krankenkasse (TK) übernimmt die Kosten in einem ähnlichen Projekt des Lübecker Unternehmens Patientus: Hautärzte bieten dabei Nachbehandlungen per Videotelefonie an, sie kontrollieren etwa, wie gut eine Wunde verheilt.

Die Juristin Jünger hat Teleclinic zusammen mit dem Orthopäden Dr. Reinhard Meier, Oberarzt am Universitätsklinikum Ulm, sowie dem Wirtschaftsinformatiker Patrick Palacín im April 2015 gegründet.

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