Betriebsprüfung

25.000 offene Posten: 1,5 Jahre Ärger Lothar Klein, 19.07.2017 10:01 Uhr

Berlin - Betriebsprüfungen sind keine angenehme Angelegenheit. Besonders unerfreulich ist der beträchtliche Aufwand einer Prüfung, die bis zu zehn Jahre rückwirkend erfolgen kann. Derzeit sind viele Apotheker davon betroffen. Das kostet Nerven und Zeit: „Ich habe mich anderthalb Jahre damit herum geärgert“, berichtet ein Kollege, der aus Furcht vor dem Fiskus anonym bleiben will. 25.000 offene Posten in seiner Warenwirtschaft hatte der Betriebsprüfer bemängelt.

„Bei der Betriebsprüfung für die Jahre 2009 bis 2013 wurde mir nach Auslesen der Kasse vom Finanzamt eine Exceltabelle mit 25.000 Datensätzen und einer Endsumme von über 70.000 Euro präsentiert“, so der Apotheker. Diese Datensätze beinhalteten beispielsweise sämtliche Stornobuchungen der letzten fünf Jahre, also alle Dateien, die ein Minus enthielten.

Weil jeder Vorgang im Warenwirtschaftssystem eine Nummer erhält, sieht das für die Betriebsprüfer so aus, als seien Waren und Geld geflossen. Eine Vorgangsnummer entsteht auch, wenn eine Retoure an den Großhandel geschickt wird. Wird die Retoure vom Großhandel gutgeschrieben und gegengebucht, entsteht eine Nachfolgenummer, so dass der Vorgang insgesamt mit 0 endet. Wenn keine Nachfolgenummer entsteht, bleibt der Vorgang im Minus. Das alles führte zu Nachfragen des Fiskus.

Etwa die Hälfte der Prüfpositionen habe er selbst zu verantworten, räumt der Apotheker selbstkritisch ein. Das hängt unter anderem zusammen mit Sonderaktionen in seiner Apotheke. In der Software steht der Listenpreis, gekauft wurde zum Sonderpreis. „Aber die Bons für die 10 Prozent-Aktionen fehlten. Hätte ich die alle aufbewahrt, hätten sich über die Jahre massenhaft Aktenordner gefüllt“, so der Apotheker. „Wo hätte ich die lagern sollen?“ Aber bei anderen Buchungen, bei denen Geld an den Kunden ausgezahlt wurde, beispielsweise bei Befreiung oder bei Umtausch, hatte er noch einige Belege.

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