Digitale Sichtwahl

11 Apothekenmotive gegen DocMorris & Co

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Berlin -

Apotheker Dr. Christian Gerninghaus hat mal wieder seine digitale Sichtwahl umgestaltet: Statt Angebote oder Informationen zu OTC-Arzneimitteln lesen die Kunden jetzt zum Beispiel: „Mindestbestellwerte sind unseriös! In der Apotheke vor Ort erhalten Sie Ihre Medikamente bedarfsgerecht! So geht Arzneimittelsicherheit!“ Die Motive stellt er den Kollegen zur Verfügung. Das Motto auf allen Bildern: „Digital, kompetent, nah für Sie da!“

Gerninghaus macht mit weiteren Motiven darauf aufmerksam, dass eine Akutversorgung auch bei stärksten Schmerzen ebenfalls nur vor Ort gewährleistet wird. Auf rotem Hintergrund mit großem Apotheken-A prangen außerdem Sätze wie: „Medikamente können gefährlich sein. Deshalb gehören sie in die Hände von Fachleuten und nicht von Paketzustellern“. Bei anderen Motiven ist die Botschaft noch kürzer, dafür durch Bilder ergänzt. Die Schlagworte lauten „Persönlich“, „von Mensch zu Mensch“, „Für Sie da!“, „Erreichbar“ oder „Miteinander“.

Die DocMorris-Kampagne „E-Mail. E-Banking. E-Mobilität. Normal.“ kontert Geringhaus mit „Digital = Lokal“. Der Apotheker möchte die Bedeutung der stationären Apotheke auch in Zeiten der Digitalisierung und mit der bevorstehenden Einführung des E-Rezepts hervorheben. Ein 2D-Code auf einem Smartphone verdeutlicht, dass sich der Apotheker keineswegs abgehängt fühlt.

Gerninghaus hat schon einmal eine Kampagne von DocMorris zum Anlass für eine eigene Aktion genommen. Er war der Ansicht, dass das E-Rezept mit dem Apotheken-A in Verbindung gebracht werden sollte und änderte das grüne Werbeposter kurzerhand in ein rotes Plakat. Jetzt hat der Apotheker seine Aushänge erweitert und nutzt die neuen Sprüche in den sozialen Medien aber auch für seine digitale Sichtwahl.

Bereits im vergangenen Jahr war die Resonanz positiv – mehrere Kollegen fragten an, ob sie das Material ebenfalls verwenden könnten. Gerninghaus möchte, dass die Plakate von zahlreichen Apothekern genutzt werden, dafür stellt er sie den Kollegen zu Verfügung. „Ich möchte damit den Kollegen weiteres Material an die Hand geben, um publikumswirksam den Nutzen der Vor-Ort-Apotheke in Abgrenzung zum Versandhandel hervorzuheben.“

Im vergangenen Jahr gehörte Dr. Christian Ude zu den Apothekern, die die Kampagne auch für die eigene Apotheke nutzten. Der Inhaber der Udes Stern Apotheke zeigt die rote E-Rezept-Werbung auf seinen digitalen Screens in der Offizin. „Wir digitalisieren gerne alles – außer den Kundenkontakt. Für Sie und Ihre Gesundheit persönlich vor Ort“, schreibt er dazu bei Facebook. Auch für die Apotheke vor Ort sei das E-Rezept selbstverständlich, betont er. „Das ist nichts Besonderes. Darüber muss man eigentlich nicht reden.“ Auch er geht darauf ein, dass die Offizin viel mehr leiste: „Unser Mehrwert liegt bei viel mehr.“

Die niederländische Versandapotheke ist bekannt für ihre provokanten Kampagnen. Im Herbst 2018 warb DocMorris sogar offen gegen stationäre Apotheken: „Wer ins Bett gehört, sollte nicht zur Apotheke müssen“, lautete der Slogan. Gerninghaus kontert mit Sprüchen wie: „Erreichbar. Auch nachts und am Wochenende“. Durch seine Kampagne möchte er die Kunden auf die Leistungen aufmerksam machen, die der Online-Handel nicht bietet – dazu gehört neben der schnellen Verfügbarkeit von Medikamenten auch die Beratung: „Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie Ihren Postboten oder Paketzusteller! Wollen Sie das?“, fragt ein Plakat der Kampagne.

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