Digitalisierung

Ohne Großhändler und Verlage: Froeses Vision vom E-Rezept

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Hannover -

Dr. Peter Froese warnt eindringlich davor, den Transport elektronischer Verordnungen in die Hand privater Unternehmen zu legen. „Das E-Rezept gehört in die öffentliche Hand“, so der Apothekeninhaber, der der Abda-Arbeitsgruppe IT-Strategie angehört. Ihm sei nur ein Land bekannt, in dem das nicht so sei: die USA. Das Beispiel beweise, dass man es in Deutschland anders machen solle. Aber auch mit Blick auf die hiesige Branche teilte Froese ein paar Seitenhiebe aus.

„Ich bin immer für Wettbewerb“, erklärte Froese am Freitag bei der 2. Digitalkonferenz der Apothekerkammer Niedersachsen in Hannover. „Aber wenn wir zulassen, dass es beim Transport von elektronischen Verordnungen Wettbewerb gibt, dann wird das die Versorgungssicherheit bedrohen.“ Der zentrale Begriff in dem Zusammenhang ist das Makelverbot. Natürlich sei es theoretisch auch heute schon möglich, mit traditionellen Verordnungen zu makeln, räumt Froese ein. Aber: „Mit dem E-Rezept wird es möglich sein, das strukturiert zu tun, dort Systeme und ganze Geschäftsmodelle aufzusetzen.“

Das würde demnach dazu führen, dass Apotheken „erratisch von der Versorgung ausgeschlossen werden, basierend auf Kriterien, die sie selbst nicht nachvollziehen können“, so der Inhaber der Holsten-Apotheke im schleswig-holsteinischen Schacht-Audorf. „Und dann wird es versorgungsrelevant.“ Froese erklärte das an einem einfachen Beispiel: Erhält der Patient sein E-Rezept in einer beliebigen App, könne er meist in einer Liste oder auf einer Karte auswählen, an welche Apotheke seine Verordnung gehen soll. „Aber wer entscheidet denn, welche Apotheke auf der Liste steht und welche nicht?“ So müsse man sich als Apotheker darauf einstellen, dann von privaten Anbietern angesprochen zu werden, die eine Listung gegen Gegenleistung anbieten.

Für manchen möge das vielleicht abwegig klingen. „Aber genau das passiert bereits jetzt, und zwar in großem Umfang.“ Er stelle deshalb die dringende Forderung an die Politik, dass die Zuweisungsfreiheit des Patienten beim E-Rezept unbedingt gewährleistet bleiben müsse. 861 Millionen E-Rezepte erwarte man künftig pro Jahr – und jedes einzelne davon sei ein Wirtschaftsgut, um das sich private Unternehmen reißen würden. Selbstverständlich sei jedoch nicht jede einzelne Verordnung gleich viel wert. Privatwirtschaftlicher Wettbewerb führe deshalb automatisch zur Diskriminierung nicht nur von bestimmten Apotheken, sondern vor allem auch von Patienten, wenn sich Geschäftsmodelle auf spezielle Patientengruppen konzentrieren.

Der Weg der Verordnung vom Patienten in die Apotheke müsse deshalb von wirtschaftlichen Interessen ferngehalten werden. „Was bitte haben ein pharmazeutischer Großhändler oder ein Verlag in der heilberuflichen Beziehung zwischen Patient und Apotheker verloren“, fragt Froese mit Blick auf Projekte, die in Konkurrenz zur DAV-Webapp stehen. „Ein Geschäftsmodell hat an dieser Stelle der Versorgungskette absolut nichts zu suchen!“

Die Forderung des DAV nach einem Monopol für das E-Rezept nahm Froese nicht in den Mund, verteidigte sie aber unmissverständlich auch nicht nur mit dem Verweis darauf, dass es sich bei den Standesvertretungen um Körperschaften des öffentlichen Rechts handelt. Und dass es nur jene öffentlichen Körperschaften sein sollten, die die ausschließliche Hoheit über den Transport des E-Rezepts haben, sei keineswegs eine abwegige Forderung. Vielmehr werde es in allen Ländern, die bereits elektronische Verordnungen verwenden, so gehandhabt – fast zumindest.

Ihm sei nur ein Land bekannt, das das Frontend für elektronische Verordnungen nicht in die öffentliche Hand gegeben hat, so Froese: „Das sind die USA und ich lade Sie herzlich dazu ein, zu sehen, welche Folgen das dort hat. Da wird munter mit Verordnungen gemakelt und diskriminiert. Ich bin überzeugt, dass wir diesen Fehler nicht auch machen sollten.“ Stattdessen sollten sich Apotheker darauf konzentrieren, den Patienten nicht mit seinen Daten allein zu lassen, beispielsweise beim wachsenden Trend zu Wearables und anderen Formen der eigenständigen Gesundheitsdatenmessung. „Das finde ich ultraspannend, aber vor allem dann, wenn der Patient mit seinen Daten nicht alleingelassen wird, sondern Heilberufler ihn dazu beraten“, so Froese. „Ich bin mir sicher, wir Apotheker können das.“

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