Reiseübelkeit

Elektroden statt Antihistaminika APOTHEKE ADHOC, 08.09.2015 13:06 Uhr

Berlin - Wer schon einmal über der Reling hing, weiß die Tücken der Seekrankheit zu fürchten. Schwindel, kalter Schweiß, starke Übelkeit und Erbrechen sind die Symptome der so genannten Kinetose, 30 Prozent der Menschen leiden darunter. Und dagegen hilft nur wenig. Sitzposition in Fahrtrichtung, einen Punkt am Horizont fixieren; auch Reisetabletten mit H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin bringen nicht immer Linderung. Eine Gruppe britischer Forscher vom Imperial College in London meldet nun: Elektrische Spannung, vor Reiseantritt auf die Kopfhaut aufgebracht, könnte so manchem Betroffenen Erleichterung verschaffen.

Die 20 Studienteilnehmer trugen etwa zehn Minuten lang Elektroden am Kopf. Anschließend wurden sie gebeten, sich in einen motorisierten, rotierenden Stuhl zu setzen. Die Probanden zeigten im Anschluss weniger Symptome und erholten sich schneller.

Nun könnte die Bewegungskrankheit eingedämmt werden, hoffen die Wissenschaftler. „In fünf bis zehn Jahren wird man in eine Apotheke gehen und ein Anti-Seekrankheits-Set kaufen können“, postuliert Studienleiter Dr. Qadeer Arshad. Die Untersuchung wurde im Fachjournal „Neurology“ veröffentlicht.

Arshad glaubt, dass diese Technik zukünftig für jeden erschwinglich wird: „Wir hoffen, dass es sogar in Mobiltelefone integriert werden kann. Diese könnten über den Kopfhöreranschluss eine geringe Menge an Elektrizität abgeben. In jedem Fall müsse man sich aber vor Reiseantritt vorübergehend kleine Elektroden an die Kopfhaut heften.
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