Produktplatzierung

Testkunde: Hersteller schicken Microjobber in Apotheken APOTHEKE ADHOC, 25.06.2019 10:29 Uhr

Berlin - Kommt ein vergleichsweise junger Kunde in die Apotheke, verlangt nur Traubenzucker, aber eine Quittung – dann ist das vermutlich ein Spion. Ganz sicher kann man sich sein, wenn er sich in der Offizin auch noch sehr aufmerksam umsieht und anschließend von außen fotografiert. Und dann gibt es noch studentische Microjobber, die sich gleich in der Apotheke zu erkennen geben, dafür aber auch die Regale fotografieren wollen. Auftraggeber ist jeweils die Pharmaindustrie.

Microjobs sind derzeit sehr angesagt: Über Apps wie sind Streetspotr oder Appjobber kann man ganz einfach von unterwegs ein wenig Kleingeld dazuverdienen. Das Prinzip ist recht simpel: Man meldet sich an, bestätigt mit ein paar Klicks Volljährigkeit und Datenschutzbestimmungen und schon kann losgejobbt werden. Durch die Annahme eines Auftrags kann man in einem begrenzten Zeitraum bestimmte Aufgaben erfüllen und sich nach erfolgreicher Überprüfung einen Betrag zwischen drei und 15 Euro gutschreiben lassen.

Neben Mystery-Shopping in Tankstellen und Supermärkten liegen zuweilen auch Apotheken im Fokus. Nur bekommen diese das je nach Auftrag und Anbieter gar nicht mit. Bei Streetspotr etwa heißt die Kategorie „Apotheken-Check“. In einer aktuellen Aufgabe geht es darum, Produkte und Werbematerialien der Sommerpromotion „Urlaub gebucht. Reiseapotheke gecheckt?“ von Johnson & Johnson zu überprüfen. Eine Streetspotr-Sprecherin wollte auf Nachfrage weder bestätigen noch dementieren, dass der Pharmakonzern der Auftraggeber ist.

Die Aufgabenstellung ist allerdings mehr als ein Indiz: Die Tester bekommen eine Liste mit Namen und Adresse der Apotheke sowie ein Informationsschreiben. Beim Job zur Sommerkampagne von Johnson & Johnson soll zunächst eine Außenaufnahme der ausgewählten Apotheke angefertigt werden. Wenn dieser Punkt abgearbeitet wurde, geht es in die Apotheke. Der Microjobber soll sich etwas genauer umschauen: „Kannst du Produkte oder Werbematerial der Sommerpromotion „Urlaub gebucht. Reiseapotheke gecheckt?“ (Dolormin, Imodium, Nicorette und/oder Microlax) in der Apotheke finden?“ Beispielbilder der Produkte sind ebenfalls in der Jobbeschreibung abgebildet. Die Jobber sollen sich die Regale hinter dem HV-Tisch genau ansehen.

Ganz oben in dem Schreiben gibt es jedoch einen wichtigen Hinweis: „Beachte: da keine Innenaufnahmen erstellt werden dürfen, ist der Kauf einer Kleinigkeit z.B. Traubenzucker verpflichtend. Dieser Produktkauf ist bereits in der Vergütung enthalten.“ Gelb markiert heißt es: „Solltest du entgegen der Aufgabenstellung Innenaufnahmen erstellen, müssen wir dein Ergebnis leider ablehnen.“

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Weiteres
Coronavirus

Vakzine gegen Sars-CoV-2

Paul-Ehrlich-Institut: Erste Impfungen ab Jahresende»

Rückzahlungsforderungen

Schutzmasken: Klagewelle gegen Bundesregierung»

Gebrauch nicht sicher

Britische Behörde ruft 740.000 Coronavirus-Tests zurück»
Markt

Zusatzgebühren für „Fremdkonnektoren“

TI-Anschluss: Wettbewerb auf Kosten der Apotheken?»

Telematikinfrastruktur

Konnektorenstreit zwischen CGM und Red Medical geht weiter»

Hüffenhardt: Nichts geht mehr

BGH lässt DocMorris abblitzen»
Politik

Bernd Rademacher tritt Simacher-Nachfolge an

Neuer Geschäftsführer beim AVWL»

Alternative zum Boni-Verbot

Eine Tour: Botendienst und Boni-Deckel»

Krankenhauszukunftsgesetz

Botendiensthonorar: Dauerhaft, aber nur 2,50 Euro»
Internationales

Notbevorratung durch Unternehmen und Regierung

Brexit: UK bunkert Arzneimittel für den Ernstfall»

Kooperation

GlaxoSmithKline steigt bei Curevac ein»

Walgreens Boots Alliance

Wegen Corona: Pessina streicht 4000 Stellen»
Pharmazie

Rückruf

Ungewöhnlicher Geschmack bei Minirin»

Rückruf

Kennzeichnungsfehler bei Loceryl»

Sichelzellerkrankungen

Adakveo: Zielgerichtet gegen Schmerzkrisen»
Panorama

Nachtdienstgedanken

Sonnenbrand als Souvenir»

Fünfstellige Schadenssumme in Apotheke

Einbrecher klauen Tresor – und das Botendienst-Auto»

Überträger der Leishmaniose

Sandmücke verbreitet sich in Rheinland-Pfalz»
Apothekenpraxis

Apothekerfamilie Phan

Diese Apotheke ist ein Hoffnungsschimmer»

ApoRetrO – der satirische Wochenrückblick

Die erste Tiny-Apotheke Deutschlands»

Kein generelles Vertriebsverbot

Nur Einzelfall: Entwarnung bei Opiumtinktur»
PTA Live

Apothekenpflichtige Fertigarzneimittel

Blutegel in der Dokumentation»

Notfallkontrazeptiva bei GZSZ

Pille danach: „Hormonüberdosis für Schlampen“?»

Sportliche Menschen erkranken seltener

Glaukom: Sehverlust durch Bewegung abwenden»
Erkältungs-Tipps

OP-Maske, FFP und KN95

Wie schützt eine Mund-Nasen-Bedeckung vor Infekten?»

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»
Magen-Darm & Co.

Haferschleim, Zwieback & Banane

Schonkost: Leicht verdaulich & gut verträglich»

Pflanzlich oder Probiotisch

Fresh-Up: Reizdarmsyndrom»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Aktivität

Laufen in der Schwangerschaft»

Ernährung, Sport und Vitamine

Schwanger zu werden, ist nicht nur Frauensache»

Bildergalerie

Schwangerschaftsmythen: Fakt oder Falsch?»
Medizinisches Cannabis

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»
HAUTsache gesund und schön

Ein besonderer Bereich des Gesichts 

Augenpflege: Sanft und feuchtigkeitsspendend»

Gefahren bei falscher Pflege

Wimpern und Augenbrauen: Schützende Sensibelchen»

Isotretinoin, MTX & Co.

Hautpflege bei bestimmter Medikation»