Zyto-Pfusch

„Der Apotheker muss seine Unschuld beweisen“ Patrick Hollstein, 28.02.2017 14:07 Uhr

Berlin - „Ein besonders abartiger Fall von Habgier.“ Patientenanwältin Sabrina Diehl geht hart mit Peter S. ins Gericht. Mindestens 40.000 Infusionen zur Krebsimmuntherapie soll der Bottroper Apotheker gestreckt haben. Während die Staatsanwaltschaft an der Beweiskette für das Strafverfahren arbeitet, bereitet Diehl Schadenersatzklagen für die Opfer beziehungsweise ihre Hinterbliebenen vor. Sie geht davon aus, dass sich aufgrund der Indizien die Beweislast umkehrt. „Der Apotheker muss seine Unschuld beweisen“, sagt sie.

Diehl vertritt aktuell drei Geschädigte, darunter den Witwer einer verstorbenen Krebspatientin und zwei Patienten, bei denen die Therapie wegen der mutmaßlichen Panscherei verzögert wurde. Dass bei ihnen jeweils Infusionslösungen eingesetzt wurden, die in der Apotheke von Peter S. hergestellt wurde, lässt sich laut Diehl zweifelsfrei belegen. Tatsache sei auch, dass sich unter der Behandlung die Tumormarker nicht verbessert, sondern verschlechtert hätten. Nach dem Wechsel der Apotheke habe die Therapie dagegen angeschlagen.

Damit sind laut Diehl die Voraussetzungen für eine Beweislastumkehr erfüllt. Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) heißt es dazu: „Liegt ein grober Behandlungsfehler vor und ist dieser grundsätzlich geeignet, eine Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit der tatsächlich eingetretenen Art herbeizuführen, wird vermutet, dass der Behandlungsfehler für diese Verletzung ursächlich war.“ Nicht der Patient muss also nachweisen, dass der Fehler zum gesundheitlichen Schaden geführt hat. Vielmehr muss der Behandelnde belegen, dass es keinen kausalen Zusammenhang gibt.

Der Paragraf gilt streng genommen nur für Ärzte, laut Diehl lässt er sich aber auf den Fall des Pfusch-Apothekers übertragen. Die Anwältin spricht von einem Präzedenzfall: „So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt. Das ist ein besonders abartiger Fall, in dem aus reiner Habgier die Gefährdung der Patienten zumindest billigend in Kauf genommen wurde.“

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