Apotheke schon aufgegeben

Unerwartete Rettung: Kunden lassen Apotheker nicht schließen Cynthia Möthrath, 24.01.2020 14:17 Uhr

Berlin - Die zunehmenden Apothekenschließungen bereiten vielen Inhabern Sorge. Dass es jedoch auch positive Entwicklungen gibt, beweist Apotheker Dirk Schürmann: Seine Apotheke an der Kirche im Warsteiner Stadtteil Suttrop war 2016 so gut wie geschlossen – heute sind die Türen der Landapotheke jedoch weiterhin geöffnet. Die positive Wende hat Schürmann vor allem den Suttropern und seinem Sohn zu verdanken.

Es ist Sommer 2016, Schürmanns Geschichte deckt sich zunächst mit der vieler anderer Apothekenschließungen: Alles beginnt im Juni mit dem Ende der ortsansässigen Gemeinschaftspraxis im 3500-Seelen-Ort Suttrop, weil sich kein Nachfolger finden lässt. Für Schürmann war damals schnell klar: „Ohne die Praxis geht es nicht weiter.“ Denn wenn die Kunden nun zu den nächstgelegenen Arztpraxen fahren müssten, würden sie ihre Rezepte wahrscheinlich in den dortigen Apotheken einlösen.

Der Mietvertrag der Apotheke lief nur noch drei Monate. „Die wollte ich dann natürlich noch durchziehen“, meint Schürmann. Bis Ende August musste der Inhaber sich schließlich entscheiden, ob er die Apotheke weiterführen will oder nicht: Der Entschluss war klar – Ende September sollten die Türen geschlossen werden. Schließlich wurden die Apothekerkammer über die Schließung informiert und allen Mitarbeitern gekündigt. „Da war definitiv Ende für mich“, erklärt Schürmann. „Ich hatte damit abgeschlossen.“ Zum Glück besitzt Schürmann neben der Apotheke an der Kirche noch zwei weitere Apotheken im Umkreis, die ihn absichern.

Doch während der dreimonatigen Übergangsphase machte Schürmann eine unerwartete Beobachtung: Obwohl die Arztpraxis nicht mehr bestand, veränderte sich kaum etwas am Betrieb in der Apotheke. „Und das trotz Sommerloch“, meint der Apotheker. Die Bewohner kamen weiter mit den Rezepten aus den anderen Arztpraxen. „Damit haben sie unbewusst dazu beigetragen, dass die Apotheke geblieben ist“, erklärt er. Denn publik gemacht hatte er die schon geplante Schließung noch nicht: „Ich wollte ja sehen, wie es läuft, ohne dass jemand etwas weiß.“ Schürmann ist überzeugt: Hätte er vom Ende erzählt, wäre die Kundschaft vermutlich weggeblieben und die Apotheke heute geschlossen.

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