T-Rezepte

13.000€-Retax: Komma sticht Kreuz Patrick Hollstein, 12.02.2019 10:41 Uhr

Berlin - Manchmal kommt es im Leben auf Kleinigkeiten an – im Guten wie im Schlechten. Sehr zum Ärger der Apotheker retaxieren die Kassen oft aufgrund von Formfehlern, die eigentlich belanglos scheinen. Doch jetzt gibt es einmal Genugtuung: Das Landessozialgericht Hessen (LSG) hat eine Retaxation über 13.000 Euro gekippt – weil die Richter noch pedantischer als die Kasse waren.

Im April 2009 hatte eine Apotheke aus Frankfurt ein T-Rezept über Revlimid (Thalidomid) beliefert, das nicht ordnungsgemäß ausgestellt war: Der Arzt hatte zwar das erste und das vierte Feld angekreuzt, das zweite aber offen gelassen. Weil dieses ja nur die Aushändigung der erforderlichen Informationsmateralien vor Behandlungsbeginn bestätigt und der Patient bereits zwei Monate zuvor eine entsprechend vollständig ausgefüllte Erstverordnung eingelöst hatte, gab die Apotheke das Medikament ab.

Im Januar 2010 kam dann der Schock: Die DAK beanstandete die damals bereits ein Dreivierteljahr alte Abrechnung und kürzte auf Null. Die Prüfer waren der Auffassung, dass auch bei jedem Folgerezept das zweite Feld angekreuzt werden muss. Immerhin könne das Rezept auch in einer anderen Apotheke vorgelegt werden, die sonst nicht wissen könne, dass der Patient vor Behandlungsbeginn die Informationsmaterialien erhalten habe.

Der Einspruch unter Einschaltung des Hessischen Apothekerverbandes (HAV) blieb erfolglos, die Kasse verrechnete die Kosten in Höhe von 13.017,88 Euro mit einer der nächsten Abrechnungen der Apotheke. Der Fall ging vor Gericht, das Sozialgericht Frankfurt gab im Januar 2017 überraschend der Apotheke Recht: Die Sicherheit sei nicht gefährdet gewesen sei, die Retaxierung daher unverhältnismäßig. Die Kasse legte Berufung ein und packte zahlreiche ähnliche Urteile zu Retaxationen von T-Rezepten in die Akte, die belegen sollten, wie ernst es die Gerichte mit den Kreuzen in ganz Deutschland nehmen.

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