Reiseübelkeit

Marine testet Vitamin C gegen Seekrankheit dpa/APOTHEKE ADHOC, 14.08.2019 08:20 Uhr

Berlin - Für Marineflotten stellt die Seekrankheit oft große Probleme dar: Während Medikamente Nebenwirkungen haben, könnte Vitamin
C die Lösung sein. Auf mehreren Fregatten will die Marine ab dem Herbst die Wirksamkeit des Vitamins gegen Seekrankheit untersuchen.

Bleich wie eine Wand und richtig übel: Wen die Seekrankheit erwischt, der leidet. Mancher fühlt sich nur bleiern und antriebslos, andere spucken sich die Seele aus dem Leib und würden am liebsten über Bord gehen. Nicht nur Touristen, auch echte Seebären. „Wenn wir aus dem Hafen auslaufen und die Wellen gleich fünf, sechs Meter hoch sind, dann habe ich erstmal ein, zwei Stunden Unwohlsein“, sagt der Kommandant des Marine-Segelschulschiffs „Gorch Fock“, Kapitän zur See Nils Brandt. Erbrechen müsse er sich aber nicht.

Das Problem: Nebenwirkungen einer Reisetablette sind mit vielen Aufgaben einer Schiffsbesatzung nicht vereinbar. Eine mögliche
Lösung: Für Vitamin C konnte in einer Untersuchung gezeigt werden, dass es die Symptome der Seekrankheit lindern kann, aber nicht müde macht. Deshalb starten die Marine-Mediziner im Herbst einen zweijährigen Versuch mit mehreren hundert Soldaten. Sie erhalten auf mehreren Fregatten Kaugummis mit hochdosiertem Vitamin C beziehungsweise ohne. „Vitamin C senkt den Histaminspiegel im Körper“, erklärt Koch. Auch an Bord des Dreimasters „Gorch Fock“ habe die Besatzung mit Vitamin-C-Präparaten Erfolge erzielt, sagt dessen Kommandant Brandt. Tests am Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine in Neustadt an der Ostsee sind ebenfalls aussichtsreich verlaufen. „Im Herbst wollen wir herausfinden, ob sich die Ergebnisse unserer Laborversuche unterrealen Bedingungen auf See bestätigen“, sagt Wissenschaftler Koch.

Bei den Formen der Kinetose, zu denen die Reise- und die Seekrankheit gehören, „handelt es sich um keine Krankheit im engeren Sinne, sondern um eine im Grundsatz zunächst normale Reaktion auf einen Sinneskonflikt, die schwere Ausmaße annehmen kann“, sagt Prof. Andreas Koch vom Schifffahrtmedizinischen Institut der Marine. Niemand sei davor sicher: „Jeder Mensch kann seekrank werden - vorausgesetzt er hat ein funktionierendes Gleichgewichtsorgan.“ Auslöser der Seekrankheit sei die Diskrepanz der Wahrnehmungen. Was Reisende in ihrer Kabine sehen und spüren, passt einfach nicht zu dem Bild, das sich ihnen beim Blick durch das Bullauge zeigt. Manche sind empfindlich für das kaum merkliche „Rollen“ großer Kreuzfahrtschiffe. Ihr Körper schüttet Stresshormone wie Histamin aus. Zuviel davon führt zu Übelkeit und Erbrechen. „Selbst Fische können Symptome der Seekrankheit aufweisen“, sagt Flottenarzt Koch. Er sucht Gegenmittel, die nicht die Nebenwirkungen von Reisetabletten (Antihistaminika)
haben. „Diese haben allesamt den Nachteil, dass sie etwas müde machen“, sagt Koch. Deshalb dürften Piloten sie nicht nehmen.

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