Lieferengpässe

Venlafaxin: Kleine Panne, großer Ausfall Alexandra Negt, 21.01.2020 10:05 Uhr

Berlin - Das Antidepressivum Venlafaxin ist momentan eingeschränkt bis gar nicht lieferfähig. Abfragen in der Apotheke verlaufen oft ergebnislos – nur das Original Trevilor (Pfizer) ist über den Großhandel erhältlich. Kunden, die die Mehrkosten von 240 Euro nicht zahlen wollen oder können, bleiben unversorgt und müssen auf einen anderen Wirkstoff umgestellt werden. Laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) besteht kein absoluter Versorgungsengpass. Weshalb können Apotheken dennoch keine Packungen beziehen? Die Ursache könnte vergleichsweise trivial sein.

Millionen von Menschen sind aktuell von Lieferengpässen betroffen – so auch Patienten, die das Antidepressivum Venlafaxin einnehmen. Seit Monaten können die Hersteller nicht liefern. Aktuell ist die Lage besonders gravierend: Eine tagesaktuelle Verfügbarkeitsabfrage in einer nordrhein-westfälischen Apotheke bei drei verschiedenen Großhändlern fällt ernüchternd aus – kein einziges Generikum ist lieferbar. „Lediglich das Original Trevilor mit Mehrkosten von 244,15 Euro ist im Verbund zu bekommen“, so der Inhaber. Außerdem gibt es einen Reimport – hier beläuft sich die Aufzahlung auf 54,73 Euro. „Die meisten Kunden zahlen diese Mehrkosten nicht.“ Hier bleibt nichts anderes übrig als der Gang zum Arzt. Einige Patienten können gut auf andere Wirkstoffe umgestellt werden. Das gilt jedoch nicht für alle.

Der Generikahersteller Heumann besitzt – aufgrund der Rabattverträge – einen Marktanteil von über 50 Prozent. Vor einigen Monaten kam es zu Lieferschwierigkeiten. Zu den Hintergrründen wurden auf Nachfrage keine Angaben gemacht. Der Apotheker aus NRW erhielt von einer Angestellten bei Heumann telefonisch die Antwort, dass die Ursache für den Ausfall Probleme mit dem Securpharm-Siegel sind. Ein Sprecher wollte dies auf Nachfrage offiziell nicht bestätigen.

Die anderen Generikahersteller konnten den Ausfall des Marktführers nur kurzfristig abfedern, da die Absätze sprungartig anstiegen. So dauerte es nicht lange, bis Aristo, immerhin ein Rabattpartner bei der TK, trotz ausreichender Mengen völlig ausverkauft war. Inzwischen hat der Hersteller wieder Ware, aber auch diese wird wohl schnell wieder vollständig vom Markt aufgesogen werden.„Solange es uns nicht möglich ist die Mengen für unsere Krankenkassen zu reservieren, wird es unweigerlich zu derartigen Szenarien kommen“, so Dr. Stefan Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Aus unserer Sicht und im Interesse der Versorgung dürfen – selbst bei kleinen Märkten – Wirkstoffausschreibungen niemals mit weniger als drei Zuschlägen belegt werden.

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