Unkrautbekämpfungsmittel

Glyphosat – die Fakten

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Brüssel -

Eigentlich sollte längst über die Zukunft des Unkrautkillers Glyphosat entschieden sein. Doch die EU-Staaten können sich nicht auf eine Neuzulassung einigen. Nun zieht die EU-Kommission die Reißleine und plädiert für eine begrenzte Verlängerung der aktuellen Zulassung.

Frage: Wird Glyphosat in Europa ab Juli noch erlaubt sein?

Es sieht ganz so aus. Denn die EU-Kommission schlägt nun eine Verlängerung um 12 bis 18 Monate vor. Wie auch für eine Neuzulassung für mehrere Jahre bräuchte sie dafür eigentlich eine deutliche Mehrheit der EU-Staaten. Doch wenn dies bei zwei Abstimmungen nationaler Experten scheitert, müsste die EU-Kommission selbst entscheiden – und die Behörde ist für eine Verlängerung.

Hinzu kommt: Wenn die aktuelle Zulassung Ende Juni einfach ausliefe, würde die EU-Kommission Klagen von Konzernen wie dem Glyphosat-Hersteller Monsanto riskieren.

Frage: Warum noch eine Verlängerung – gab es nicht schon eine?

Die Glyphosat-Zulassung wurde bereits einmal um sechs Monate bis Ende Juni verlängert. Die nötige Mehrheit für eine Neuzulassung ist nicht in Sicht – daher die Zwischenlösung. Innerhalb der kommenden anderthalb Jahre wird eine Stellungnahme der europäischen Chemikalienagentur Echa erwartet, die, so die Hoffnung in Brüssel, mehr Klarheit schaffen soll.

Frage: Wo wird Glyphosat eingesetzt?

Glyphosat ist als Wirkstoff in einer ganzen Reihe von Pflanzenschutzmitteln enthalten. Es wird vor allem dazu genutzt, Unkraut beim Anbau von Feldfrüchten zu bekämpfen. Auch auf Getreide- oder Rapsfeldern kommt es vor der Aussaat zum Einsatz. In der Landwirtschaft wird Glyphosat auf etwa 40 Prozent der Felder verwendet. Derzeit wird es außerdem in Parks und im Gartenbau genutzt, um Zierpflanzen vor Unkraut zu schützen.

Frage: Warum ist es so umstritten?

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Experten sind sich allerdings über die Forschungsergebnisse uneins. Untersuchungen deuteten unter anderem darauf hin, dass Glyphosat-basierte Gemische teilweise schädigender als der reine Wirkstoff Glyphosat sein könnten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass aus den zulässigen Glyphosat-Rückständen in Lebensmitteln kein gesundheitliches Risiko zu erwarten sei. Umweltschützer warnen jedoch vor Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. Die EU-Kommission schlägt nun Einschränkungen vor, etwa beim Einsatz auf Spielplätzen. Kritikern geht dies aber nicht weit genug – zumal es für solche nationalen Auflagen gar nicht die Empfehlung der Brüsseler Behörde bräuchte.

Frage: Warum streitet die große Koalition um das Thema?

Das hat innenpolitische Gründe. Die SPD sucht im Umfragetief nach einem Strohhalm und hat den ungeliebten Unkrautvernichter Glyphosat ausgemacht. Dabei war die Partei ursprünglich sogar bereit, einer Neuzulassung unter bestimmten Bedingungen zuzustimmen – doch damit ist es vorbei.

Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) reagierte ziemlich verbittert auf die „Rolle rückwärts“ von Umweltministerin Barbara Hendricks und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (beide SPD). Auf EU-Ebene hat der Zank gravierende Auswirkungen, da sich Deutschland deshalb der Stimme enthalten muss.

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