Aufklärung nach Todesfällen

Infusion verwechselt: Behörden gehen von Unglück aus dpa, 20.09.2018 13:03 Uhr aktualisiert am 20.09.2018 15:48 Uhr

Göppingen - Nach der mutmaßlichen Verwechslung von Infusionslösungen bei einer Klinik in Göppingen mit zwei Todesfällen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die beiden gestorbenen Patienten, eine 62-Jährige und ein 78-Jähriger, sollen am Montag obduziert werden, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mitteilte. Ihnen und drei Männern im Alter von 69, 78 und 80 Jahren sowie einer 55 Jahre alten Frau war in der Nacht zum Mittwoch mutmaßlich eine falsche Infusion verabreicht worden. Klinik und Polizei gehen von einem Unglücksfall aus.

Den vier letztgenannten Patienten geht es inzwischen wieder besser. Sie würden keine gesundheitlichen Folgeschäden davontragen, wie Matthias Fischer, der Chefarzt der Anästhesie der Klinik am Eichert mitteilte. Bei einem weiteren Patienten sei noch unklar, ob er gleichfalls eine falsche Infusion erhalten habe. Bei allen Patienten seien Blutproben entnommen worden, um zu klären, ob sie tatsächlich die Lösung erhielten.

Noch ist rätselhaft, wie es zur Verwechslung der Infusionslösung zur Schmerzlinderung durch die examinierte Pflegekraft kommen konnte. Anstelle einer Kochsalzlösung wurde eine Infusion mit einem Lokal-Anästhetikum gegeben. Dieses wird laut Mitteilung normalerweise über eine kleine Pumpe verabreicht. In diesem Fall sei das Mittel über eine Infusion zugeführt worden, teilte der Medizinische Geschäftsführer der Alb-Fils-Kliniken, Dr. Ingo Hüttner mit. Der Nachtdienst habe eine routinemäßige Therapie mit dem Schmerzmittel mit falscher Trägerform zubereitet. Bei einer Überdosierung des Mittels kann es zu Herzrhythmusstörungen kommen.

Zu den gestorbenen Patienten sagte der Chefarzt, die Frau sei wegen einem Wirbelsäulenleiden und der Mann wegen einer Hüftoperation in Behandlung gewesen. Auf dem Stockwerk waren in jener Nacht drei examinierte Pflegekräfte für 63 Patienten zuständig gewesen. Es sei eine ganz normale Nacht gewesen und es habe auch keine übermäßigen Zugänge gegeben, sagte Hüttner.

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