Podiumsdiskussion

Valsartan: Wer ist schuld und wen interessiert's? Nadine Tröbitscher, 11.10.2018 09:57 Uhr

München - „NDMA in Valsartan-Arzneimitteln – was kann und muss getan werden, um ähnliche Fälle in Zukunft zu vermeiden?“ Diese Frage wollten heute Professor Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Professor Dr. Theodor Dingermann, Professor Fritz Sörgel, Professor Dr. Mona Tawab, Andreas Kiefer und Fritz Becker in einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Expopharm beantworten.

Das Thema Valsartan ist noch nicht durch und lässt sich nicht einfach unter den Teppich kehren. Apotheker werden noch immer mit dem Skandal am HV konfrontiert. Apotheker spielten und spielen eine wichtige Rolle in der Story um den Blutdrucksenker, das bestätigte der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes Fritz Becker. „Die Apotheke war der erste Ansprechpartner für verunsicherte Patienten.“ Der „oberste Apotheker“ spricht von einer sehr guten Information durch das Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker (ZL) und der AMK. Außerdem hätten die modernen Medien über das verunreinigte Valsartan informiert. „Tagtäglich gab es neue Horrormeldungen und verunsicherte Patienten.“ Dennoch sieht Becker „Luft nach oben, weil die ein oder andere Meldung zuerst bei der Presse war.“

Die Verunsicherung der Menschen hält an“, sagt der Präsident der Bundesapothekerkammer Andreas Kiefer. „Den Patienten so complient wie möglich zu halten, ist eine große Herausforderung.“ Aber wer ist schuld? Aufsichts- oder Zulassungsbehörden? „Am Ende des Tages ist es egal, wir müssen dazu kommen, dass tatsächlich präventiv gehandelt wird.“ Nur so könne ein zweites Valsartan vermieden werden. Für Kiefer ist eine engere Zusammenarbeit nötig. Habe ein Skandal Ausmaße in ganz Deutschland, stelle sich die Frage der Zentralisierung. Dass Apotheken dabei eine zentrale Rolle haben, hätten alle gesehen. „Man muss den Rückruf nicht nur anordnen, sondern auch ausführen.“ Man sollte sich nie auf diverse Zertifikate verlassen. „Nicht die Deklaration, sondern nur die substanzielle Kontrolle zählt“, so Kiefer. „Wir haben ein Problem mit der Arzneimittelsicherheit, vor 20 Jahren hätte ich das nicht gedacht, da hilft kein Jammern. Wir müssen mehr in die Qualitätssicherung investieren, das kostet Geld. Eine absolute Produktsicherheit wird erst auf lange Zeit erreicht werden.“

Geld, das angesichts des Preisdrucks kaum aufwendbar scheint. Professor Theodor Dingermann sieht sich in seiner Kritik am deutschen Preissystem bestätigt. Wenn der Patentschutz abgelaufen ist, werde brutal zugegriffen. „Rabatte von 90 Prozent. Da muss man sich im Niedrigpreisbereich nicht wundern, dass irgendwann nach Lösungen gesucht wird, die sowas noch realisierbar machen. Ich kann verstehen, dass die Herstellung ausgelagert wird – nach Indien, China, Brasilien usw. – das ist Realität, da wird man nicht viel dran ändern können.“ So müssten diejenigen, die die enormen Rabatte abschöpfen auch die Prüfungen der Arzneimittel bezahlen. Sörgel habe laut Dingermann einmal vorgeschlagen für jede Tablette/Tagesdosis einen Cent zu fordern. „Da kämen 50 Millionen zusammen, da kann man viele Chromatogramme laufen lassen.“

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