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Dumpingpreise in der Polenmarkt-Apotheke

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Berlin -

Eine neue Apotheke auf dem Gelände des Polenmarkts Hohenwutzen verkauft Medikamente zu erheblich niedrigeren Preisen als in Deutschland. Die Kollegen im benachbarten Brandenburg halten mit ihrer Beratungskompetenz dagegen.

Bis zu 50 Prozent Ersparnis beim Kauf von Zigaretten, Lebensmitteln, Kleidung oder Eisenwaren verspricht der direkt hinter der Grenze gelegene Polenmarkt Hohenwutzen. Auf dem Gelände einer ehemaligen Zellstoff- und Papierfabrik erstrecken sich über 700 Marktstände, unter offenem Himmel und in beheizten Hallen. Möglich werden die Schnäppchen dank der im Vergleich zu Deutschland teils erheblich niedrigeren Preise, Steuern und Löhne. Zweimal täglich fährt ein Shuttlebus von Berlin-Marzahn über die Odergrenze.

Seit Kurzem lockt hier auch die Apotheke an der Brücke auch an Sonn- und Feiertagen mit Kampfpreisen selbst im Vergleich zur deutschen Versandapotheke: Voltaren forte ist unter dem polnischen Markennamen Max für 13 statt 18 Euro in der 180g-Tube oder für 8,50 statt 12 Euro in der 100g-Ausführung gelistet. 10 ml Hylo Gel oder Hylo Comod-Augentropfen sind für 8 statt 13 Euro zu haben. 24 Tabletten Grypostop (das Äquivalent zu Grippostad) sind für 3 statt 6 Euro erhältlich, Neo Angin Halstabletten in der 36er-Packung für 4 statt 7 Euro.

„Apothekenpunkte“ gebe es auf dem Gelände bereits seit sieben Jahren, sagt Nicolas Gesch, der aus Deutschland stammende Geschäftsführer des Polenmarkts. „Dort dürfen aber nur abgepackte Medikamente verkauft werden.“ Das sei den Betreibern des Polenmarkts auf die Dauer nicht genug gewesen. „Wir wollen den Markt ständig weiterentwickeln und attraktiv für unsere Kunden halten. Da ist es doch besser, wenn man eine Apotheke hat, die alles anbieten kann.“ Darum habe man sich gezielt auf die Suche nach einem weiteren Betreiber gemacht, zuletzt mit einem Inserat in der regionalen Zeitung. Die Wahl fiel auf Rammo Sharif. „Er hob sich durch sein besonderes Engagement und seine Approbation hervor. So kann er auch Rezepturen anfertigen.“ Die mögen im Apothekenalltag einen geringen Anteil ausmachen. „Aber es ist gut, wenn man auch diese Nische anbieten kann.“ Mit dem weiter bestehenden Apothekenpunkt sei man noch immer zufrieden. „Doch Konkurrenz belebt das Geschäft, für die Kunden ist es gut, wenn es einen Wettbewerb gibt.“

Zum 1. November eröffnete Sharif die Apotheke am Markt in einem festen Container. Mit Offizin, Büro und Labor kommt er auf 100 Quadratmeter. Selbst mag er sich nicht äußern. „Das Geschäft ist gut angelaufen“, weiß aber Gesch aus Gesprächen mit dem Inhaber. „Das muss sich noch entwickeln, gerade am Anfang geht es eher langsam los.“

Die Apotheker auf der deutschen Seite warten erst einmal ab. „Schön ist das nicht“, bekennt Birgit Luttenberger von der Brunnen-Apotheke im direkt an der Grenze gelegenen Bad Freienwalde. „Mir gibt das zu denken. Für mich stellt sich da auch die Frage, ob der Kollege auch vom deutschen Großhandel beliefert wird.“

Der Medikamententourismus zu den östlichen Nachbarn sei kein neues Phänomen. „Bei bestimmten Warengruppen ist der Absatz in den letzten Jahren zurückgegangen. Unsere Patienten erzählen, dass sie wegen der günstigeren Preise Schmerzmittel, Rheumaeinreibungen oder Nahrungsergänzungsmittel in Polen kaufen.“ Die Neueröffnung im Einkaufsparadies habe sich noch nicht sichtbar auf den Umsatz ausgewirkt. „Umgekehrt lösen aber viele Polen bei uns ihre Rezepte ein. Da ist es manchmal allerdings etwas schwierig mit der Verständigung.“

Ähnliche Erfahrungen mit Grenzgängern hat Christoph Maskow gesammelt. „Auch mir ist bekannt, dass viele Kunden nach Polen fahren, weil sie die Medikamente für die Hälfte des deutschen Preises bekommen“, erzählt der Besitzer der Forst-Apotheke und der Gingko-Apotheke im etwas weiter westlich gelegenen Eberswalde. Doch seien mit dem Kauf mitunter Risiken und Nebenwirkungen verbunden: „Manche kommen verunsichert zu uns, weil sie die polnischen Aufschriften auf den Medikamentenpackungen nicht deuten können. Auch wenn sie die Arzneimittel nicht bei uns gekauft haben, beraten wir sie natürlich eingehend, das gehört für uns zum Servicegedanken dazu.“

Die Konkurrenz im Osten, aber auch aus dem Internet mache Druck auf die Preise. „In den letzten sechs Jahren haben hier am Ort drei Apotheken geschlossen, zwei von ihnen ließen sich nicht mehr verkaufen, weil sie nicht mehr wirtschaftlich waren.“ Das sei wiederum ihm zugute gekommen. „Meine Apotheken laufen gut.“

Einen gewichtigen Vorteil haben die deutschen Kollegen gegenüber ihrem polnischen Mitbewerber. Telefonisch direkt erreichbar ist die Apotheke im Polenmarkt nicht, für Bestellungen und Anfragen steht eine E-Mail-Adresse zur Verfügung. Das hat seinen Grund, weiß der Geschäftsführer des Polenmarkts Hohenwutzen. „Noch spricht Herr Sharif nur gebrochen deutsch. Er kann mit seinen Preisen trumpfen, die deutschen Apotheker dafür mit ihrer Beratungskompetenz. So bleibt für jeden etwas übrig.“

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