Arzneimittelsicherheit

„Arzneimittelkriminalität ist ein Wachstumsmarkt“ Tobias Lau, 08.05.2019 18:38 Uhr

Berlin - An einem Kilogramm Viagra lässt sich im Durchschnitt 90.000 Euro mehr verdienen als an der gleichen Menge Kokain – und der Vergleich ist nicht im geringsten abwegig. Drogenhandel und der Vertrieb gestohlener oder gefälschter Arzneimittel gehen im Darknet Hand in Hand, warnt Gerhard Schindler, ehemaliger Präsident des Bundesnachrichtendienstes, beim Fachforum Gesundheit in Berlin.

Das Internet hinter dem Internet, die dunkle Seite des Netzes und dergleichen: Das berüchtigte Darknet wird mit vielen blumigen Umschreibungen erklärt. „Das ist alles Quatsch. Da ist gar nichts dunkel“, brach Schindler es herunter. „Das sind ganz komfortable Marktplätze, da können Sie einkaufen wie bei Amazon oder Ebay.“ Man müsse nur wissen, wie man sich über das TOR-System einwählt und die nicht indexierten Seiten findet. Dass ein ehemaliger BND-Präsident auf einer Konferenz zu Gesundheitspolitik spricht, kommt nicht oft vor. Aber Arzneimittelsicherheit wird zunehmend als gesamtgesellschaftliche Problemstellung wahrgenommen: Der Zyto-Skandal in Bottrop, die Affäre um Lunapharm oder Verunreinigungen durch chinesische und indische Wirkstoffproduzenten haben die Virulenz des Themas verdeutlicht.

Entsprechend richtete sich das Fachforum Gesundheit des Berliner Tagesspiegel auch an ein breites Publikum, um aufzuzeigen, wo auf der Reise eines Arzneimittels vom Hersteller über den Großhändler in die Apotheke zum Patienten die Sicherheitslücken zu suchen sind. Und wo die Gefahren sind. Die verschiedenen Branchen waren hochkarätig vertreten: Gehe-Geschäftsführer Dr. Peter Schreiner erklärte, wie Großhändler funktionieren, Professor Dr. Stefan Vietz, Vizepräsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), erklärte die Arbeit der Arzneimittelbehörde und die Schwierigkeiten bei der Bekämpfung von Fälschungen und Hehlerware.

„Insbesondere gefälschte Biologika gelangen ausschließlich über den Parallelhandel in die Lieferkette“, so Vietz. Das Problem: Die Spurensuche gestalte sich vor allem wegen unterschiedlicher Interessenlagen und Arbeitsweisen von Arzneimittel- und Ermittlungsbehörden in den verschiedenen Ländern schwierig. „Wenn wir von italienischen Ermittlungsbehörden eine Chargennummer brauchen und dann wochenlang warten müssen, bis wir die erhalten, bringt das nicht mehr viel.“

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