Schließung nach 39 Jahren

„Am Ende hätte ich die Apotheke sogar verschenkt“ Silvia Meixner, 08.11.2018 15:17 Uhr

Berlin - Nach 39 Jahren schließt Apotheker Wolfgang Stingl aus Bobingen im Landkreis Augsburg seine Wertach-Apotheke. Nachfolger fand er keinen, am Ende hätte er sie sogar verschenkt. Jetzt hat er auch noch Ärger mit der Stadt.

„Viele kleine Apotheken können einfach nicht mehr“, sagt er. Und er ist auch angeschlagen. „Wenn man sich lange Zeit um die Gesundheit der Menschen kümmert, muss man sich auch mal um die eigene sorgen“, sagt er. Dafür hatte der 68-Jährige in den vergangenen Jahren zu wenig Zeit. Gemeinsam mit einer Apothekerin im selben Alter und einer PTA hat er die Wertach-Apotheke jahrelang in Schwung gehalten.

Angesichts des Fachkräftemangels war er nach der dritten Schwangerschaft einer seiner Mitarbeiterinnen allerdings ein wenig entmutigt. Grundsätzlich ist eine Schwangerschaft eine gute Nachricht, bei ihm als Arbeitgeber blinkte allerdings parallel ein Warnblinker: Woher bekommt man jetzt eine Fachkraft her, die auch noch einen zeitlich begrenzten Arbeitsplatz sucht? „Drei Schwangerschaften sind für einen Betrieb mit drei Mitarbeitern sehr problematisch“, sagt er, „jemanden zu finden, ist sehr schwierig, da hat man so gut wie keine Chance. Wir machen die Apotheke jetzt praktisch zu zweit.“

Neben den üblichen bürokratischen Querelen war‘s dem Apotheker eines Tages dann zu viel. Erst hörte der praktische Arzt auf, danach schloss die Bankfiliale. „Ich habe große Agenturen für die Nachfolgersuche eingesetzt, es gab auch Interessenten, aber am Ende hat es nicht geklappt. Das ist hier eine kleine Vorort-Apotheke, sie erfordert ein hohes Maß an Präsenz und Stammkundenpflege. Der Kostenfaktor ist dabei derselbe wie bei großen Apotheken.“ Bobingen ist eine kleine Stadt mit rund 17.000 Einwohnern, zwölf Kilometer südlich von Augsburg gelegen. Der Stadtteil, in dem sich die Wertach-Apotheke befindet, hat rund 1700 Einwohner.

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