USA

New York wirbt für Truvada

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Berlin -

Als Schutz vor einer HIV-Infektion bewirbt die Gesundheitsbehörde des Staates New York die prophylaktische Einnahme von Truvada (Emtricitabin/Tenofovir). „HIV-Prävention ist jetzt viel einfacher“, heißt es auf der Kampagnen-Webseite. Eine Pille am Tag könne dafür sorgen, dass man HIV-negativ bleibe.

Die US-Gesundheitsbehörden haben Truvada im vergangenen Jahr für Risikogruppen zur Vorbeugung einer Ansteckung mit HIV empfohlen. Seitdem raten die Centers for Disease Control (CDC) in ihren neuen Richtlinien zur Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP). Truvada war in den USA bereits 2012 für eine solche Vorbeugung für Gesunde zugelassen worden. Hersteller ist das kalifornische Unternehmen Gilead. Die Kosten für PrEP liegen bei rund 13.000 US-Dollar (rund 9500 Euro) pro Jahr, die von den meisten Krankenversicherungen übernommen werden.

Die Prophylaxe senkt bei regelmäßiger Anwendung das Ansteckungsrisiko mit HIV deutlich. Die CDC empfehlen die Einnahme von Truvada Menschen, die einen HIV-positiven Partner haben, und homosexuellen und bisexuellen Männern, die Sex ohne Kondome haben oder bei denen innerhalb der vergangenen sechs Monate eine sexuell ansteckende Krankheit diagnostiziert wurde.

Auch Heterosexuelle, die Geschlechtsverkehr mit Personen haben, die sich Drogen spritzen, sowie Menschen, die sich innerhalb der letzten sechs Monate Drogen gespritzt haben und in diesem Zeitraum das Drogenbesteck geteilt haben oder sich in einer Behandlung wegen ihrer Sucht befinden, sollten Truvada anwenden, so die CDC.

Die New Yorker Gesundheitsbehörde erklärt auf der Webseite prepforsex.org, dass Truvada auch dafür eingesetzt werden kann, dass Mensche HIV-negativ bleiben. Bei Männern sei die Wirkung nach einer Woche voll ausgeprägt, bei Frauen nach drei Wochen – und sie halte an, solange man das Präparat einnehme.

Personen, die Truvada jeden Tag nehmen, können ihr Risiko, sich mit HIV zu infizieren, der Gesundheitsbehörde zufolge um 92 bis 99 Prozent senken. Wie bei jedem anderen Arzneimittel gebe es geringfügige Nebenwirkungen, etwa Übelkeit in der ersten Zeit der Einnahme.

Die Behörde weist auch darauf hin, dass Truvada nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STD) bewahrt. Der beste Schutz sei daher eine Kombination aus Truvada und Kondomen.

Die Prävention mit Truvada ist nicht unumstritten und in Deutschland nicht zugelassen. PrEP wird in Deutschland kaum genutzt. Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) warnte bereits 2012 in einer Stellungnahme vor zu großen Hoffnungen: Truvada schütze bei weitem nicht so zuverlässig vor HIV wie Kondome. Der Schutz sinke zudem drastisch, wenn das Mittel nicht regelmäßig eingenommen werde, so die DAH. Es wurde außerdem befürchtet, dass die HI-Viren resistent gegen Truvada werden könnten.

Die DAH sah auch ethische Probleme: „Weltweit gibt es rund acht Millionen Menschen, die dringend eine HIV-Therapie benötigen, sie aber nicht bekommen“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Weltgemeinschaft stelle immer noch nicht genügend Geld für einen universellen Zugang zur Verfügung. Es wäre daher nicht vertretbar, HIV-Medikamente nun in größerem Ausmaß an Gesunde zu verteilen.

Manche Experten in den USA befürchteten, eine präventive Verwendung könne zu sorglosem, ungeschützten Sex führen, obwohl das Mittel nur in rund 50 bis 75 Prozent der Fälle vor einer Übertragung von HIV schütze, so das Argument. Truvada hat zudem auch Nebenwirkungen: Zu den Risiken zählen häufig Appetitlosigkeit, seltener Leber- und Nierenschäden.

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