Urteil

Erzieher müssen Notfallmedikamente geben APOTHEKE ADHOC, 17.09.2019 09:12 Uhr

Berlin - Viele Kitas und Schulen lehnen es aus Haftungsgründen ab, Kindern in ihren Einrichtungen Arzneimittel zu geben. Das Sozialgericht Dresden (SG) hat jetzt jedoch entschieden, dass sie bei Risikogruppen in Notsituationen dazu verpflichtet sind, Medikamente, die keine besondere Fachkenntnis erfordern, zu verabreichen.

Laut SG können Lehrkräfte und Erzieher zwar nicht verpflichtet werden, kranken Schülern während des Aufenthaltes in der Schule regelmäßig Medikamente zu verabreichen. Es könne aber erwartet werden, dass sie Kindern, bei denen es gelegentlich unvorhersehbar zu lebensgefährlichen Zuständen kommen kann – etwa Epilepsiepatienten oder Allergiker – in Notsituationen solche Medikamente geben, die auch von medizinischen Laien angewandt werden können. Dazu seien sie schon auf Grund der allgemeinen Pflicht zur Hilfe bei Notfällen verpflichtet.

Die Mutter eines an Epilepsie erkrankten Mädchens aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge hatte sich mit einem Eilantrag an das Gericht gewandt, weil sich die Krankenkasse weigerte, dem Kind während des täglichen Besuchs der Förderschule eine Krankenschwester zur Seite zu stellen. Die vom Gericht befragten Ärzte hatten eine ständige Gefahr lebensbedrohlicher Anfälle verneint. Die Kinderärztin hatte dem Mädchen jedoch ein krampflösendes Mittel verordnet, das im Falle eines epileptischen Anfalls in den Mund gespritzt werden sollte – vermutlich Buccolam (Midazolam, Shire). Die Mutter hatte argumentiert, die Lehrer der Schule seien dazu nicht in der Lage.

Das SG hat den Eilantrag abgelehnt. Nach Auffassung der Richter handelt es sich um ein Mittel, das nicht nur von medizinischen Fachkräften verabreicht werden darf, sondern mit seiner einfachen Bedienung und Dosierung ausdrücklich auch zur Anwendung durch Eltern und Betreuer vorgesehen ist. Dies könne auch Lehrkräften und Erziehern zugemutet werden.

Gerade Förderschulen, an denen viele mehrfach behinderte und erkrankte Kinder unterrichtet werden, müssten sich hierauf einstellen. Die Schulen hätten durch Fortbildungen und Absprachen mit den Eltern bzw. Kinderärzten der betroffenen Kinder dafür zu sorgen, dass die Lehrer und Erzieher in etwaigen Notsituationen ihrer Hilfepflicht nachkommen können.

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