Hochpreisererstattung

Apotheker kündigt Versicherungen wegen MyCare-Deal Tobias Lau, 12.04.2019 09:49 Uhr

Berlin - Mathias Schmid hat die Nase voll von seiner Versicherung – nicht weil der Service schlecht wäre, sondern weil er sich auf den Arm genommen fühlt. Denn die Bayerische Beamtenkrankenkasse, die zur Versicherungskammer Bayern (VKB) gehört, versichere Apotheker und fördere gleichzeitig Versender: für Schmid ein Unding. Er will ein Zeichen setzen und hat alle seine Verträge beim Privatversicherer gekündigt.

Der Casus Belli ereignete sich vergangene Woche in der Offizin eines befreundeten Apothekers. Ein Patient kam in Franz Stuckenbergers Vitalis-Apotheke im bayerischen Taufkirchen und zeigte ihm entrüstet ein Schreiben: Sein Arzt hatte ihm ein teures Arzneimittel verschrieben; die Kasse bestätigt, dass sie die Behandlungskosten tarifgemäß übernimmt. So weit, so normal. Was danach kam, empörte allerdings sowohl Patient als auch Apotheker. „Aufgrund des hohen Preises bieten wir Ihnen an, das Medikament über unseren Partner – die Versandapotheke MyCare – zu beziehen“, schreibt die Versicherung.

„Ihr Vorteil dabei ist, dass Sie die Kosten nicht selbst in der Apotheke auslegen müssen“, heißt es in dem Schreiben. „Sie erhalten die Medikamente nach der Bestellung per Versand.“ MyCare schicke die Rechnung direkt an die Versicherung und die überweise wiederum direkt an den Versender. „Sie brauchen sich um nichts zu kümmern. Möchten Sie dieses Angebot nutzen?“ Anbei befand sich bereits das Bestellformular mit MyCare-Logo für die Direktabrechnung inklusive eines Freiumschlags. Die Botschaft: Wir richten es für Sie ein, bequem und kostenlos beim Versender zu bestellen – oder Sie machen es teuer und umständlich in der Apotheke vor Ort.

„Im ersten Moment dachte ich, das ist ein Aprilscherz – aber der erste April war gerade erst vorbei“, erinnert sich Stuckenberger. Eine besondere Ironie hat für ihn das Argument der Versicherung, dass der Patient das Geld nicht vorstrecken muss, wenn er bei MyCare bestellt – denn das muss er bei Stuckenberger auch nicht. „Ich kenne den Patienten und er kriegt das Medikament bereits seit ein paar Monaten“, so Stuckenberger. Da es sich um einen teuren monoklonalen Antikörper handelt, ermöglichte er ihm den Kauf auf Rechnung. „Das kostet 1150 Euro. Wenn man das vorstrecken muss, ist das nicht lustig“, sagt der Apotheker. „Deshalb hatte ich ihm eine Rechnung geschrieben und sobald er das Geld von der Versicherung erhalten hatte, hat er es mir überwiesen. Das haben wir zwei, drei mal so gemacht.“ Für Stuckenberger ist dieser Service Ehrensache. „Das mache ich oft für meine Kunden, ich spiele quasi die Bank für sie.“

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