Nachtdienstgedanken

Identitätsprüfung: „Sind das Läuse?“

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Berlin -

Der Herbst ist da und mit ihm die unruhigen Nachtdienste. Sowohl die Dienste als auch der Apothekenalltag überraschen mich immer wieder aufs Neue. Manchmal denke ich, dass das kürzlich Erlebte nicht mehr getoppt werden kann. Doch kurz darauf beweist mir der Nächste, dass ich mich irre.

21 Uhr und der erste Kunde steht vor der Tür: Ein multimorbider Patient, er hat mehrere verschiedene Medikamente verordnet bekommen. Die Tabletten hätten eine andere Farbe als sonst, außerdem gab es eine Wechselwirkung. Gleich mehrere Dinge, die das Apothekerherz schneller schlagen lassen. Der Kunde war nach meinen Erklärungen einsichtig: „Hauptsache ich kann die nächsten Tage überbrücken. Er sei zu Besuch hier und habe seine Tabletten zu Hause vergessen. „Es kommt ja auf die inneren Werte der Medikamente an“, sagt er lächelnd.

Den Arzt konnte ich zum Glück auch erreichen und den Fall abklären: „Sie sind die Apothekerin, schlagen Sie mir doch bitte was vor“, sagt er. Meine Ideen fand er gut und ich konnte so die Medikation optimieren. „Deine pharmazeutische Kompetenz schätze ich auch sehr“, sagt meine Fantaschale Max und klopft mir auf die Schulter. „Wie oft hast du mich schon vor Gefahren bewahrt!“

Mit einem positiven Gefühl gehe ich zurück in den Pausenraum und mache mir einen Kaffee. Für die Rezeptkontrolle brauche ich einen wachen Verstand. Vorher sollte ich vielleicht mal essen, bevor der nächste Kunde gibt. „Im Kühlschrank hast du noch Nudeln von gestern. Die sollten jetzt auch mal weg“, erinnert mich Max. Gute Idee!

Dingdong! Die Nahrungsaufnahme muss ich wohl erstmal verschieben. Ich begebe mich zur Tür und sehe eine Frau. „Meine Kind hat wohl Läuse. Können Sie das bestätigen?“ In der Hand hat sie eine Aufbewahrungsdose, mehr sagt sie erst nicht dazu. „Wie stellen Sie sich das vor?“, fragte ich verwundert. Das Kind war zu dem Zeitpunkt auch nicht dabei. „Ich habe hier eine Dose, in der ich die Insekten gesammelt habe“, erklärt sie. „Sind das Läuse?“

Ich war ratlos, meine Augen geweitet. „Woher soll ich denn wissen, was in der Dose ist?“ Doch die Kundin machte mir klar, dass ich Apothekerin sei und so etwas doch wissen müsse. „Dementsprechend möchte ich ein Läusemittel kaufen“, fährt sie fort. Sie denkt wohl, dass ich im Nachtdienst Laboruntersuchungen an Tieren mache. Dazu bin ich doch nicht ausgebildet. Das will sie aber nicht wissen.

Ich nehme ein Läusemittel aus der Schublade, Beratung plus Notdienstgebühr – weg ist die Kundin. Ich weiß zwar manchmal nicht, in welcher Welt die Menschen leben, fest steht für mich: In der Apotheke wird es nie langweilig.

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