Schlafstörungen

Melatonin: Eine Alternative zu Antihistaminika? APOTHEKE ADHOC, 20.07.2018 14:56 Uhr

Berlin - Schlafstörungen betreffen mehrere Millionen Menschen in Deutschland. Betroffene können sich Abhilfe mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln wie beispielsweise H1-Rezeptorantagonisten oder Phytopharmaka verschaffen, in schweren Fällen können Benzodiazepine eingesetzt werden. Doch immer wieder ziehen Kunden auch Nahrungsergänzungsmittel (NEM) in Betracht, weil sie sich im Internet von der Wirkung überzeugt haben. Ein prominentes Beispiel ist Melatonin.

Melatonin ist ein Hormon und wird im Körper aus Serotonin produziert. Es steuert den Tag-Nacht-Rhythmus. Insbesondere bei älteren Menschen lässt die Melatonin-Produktion häufig nach, was zur Schlaflosigkeit führen kann. Doch Schlaflosigkeit ist nicht nur ein Problem älterer Menschen. Unter dem Namen Circadin (Medice) ist ein Präparat mit 2 mg Melatonin seit 2008 erhältlich. Die orale Bioverfügbarkeit von Melatonin liegt zwischen 1 und 37 Prozent. Die Substanz hat eine kurze Halbwertzeit (30 bis 45 Minuten), deshalb ist die Galenik von Circadin pharmakokinetisch vorteilhafter.

Das Hormon ist zur kurzfristigen Behandlung von Insomnien bei Patienten ab 55 Jahren indiziert. Der Schlaflosigkeit dürfen dabei keine erkennbaren medizinischen, psychischen oder umweltbedingten Ursachen zugrunde liegen. Das Arzneimittel wird einmal täglich ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen und nach der letzten Mahlzeit eingenommen. Die Anwendung sollte über drei Wochen erfolgen.

Allerdings unterliegen die Tabletten der Verschreibungspflicht, was eine Therapie in der Selbstmedikation ausschließt. Gibt es Alternativen? Melatonin ist nicht als OTC-Präparat erhältlich, dafür als NEM und diätetisches Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke auf dem Markt. Letztgenanntes wird zur diätetischen Behandlung von Jet-Lag eingesetzt, aber nicht bei Schlafstörungen im engeren Sinne. Zu berücksichtigen ist, dass bei NEM keine Anwendungsgebiete genannt werden dürfen, da sie im klassischen Sinn nicht zugelassen werden. Deshalb gibt es auch keine Belege zur Wirksamkeit, Sicherheit und Unbedenklichkeit.

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