Protestaktion

Basel: Der Sarg vor der Apotheke APOTHEKE ADHOC, 07.05.2019 12:40 Uhr

Berlin - Der Anblick erinnert ein wenig an die Sargmacher aus Westernfilmen: Fein säuberlich ist die Totenlade halb offen vor dem Geschäft in der Baseler Reiterstraße drapiert, geschmückt mit ein paar Blumen. Doch der Inhaber der Neubad-Apotheke will das Erdmöbel nicht feilbieten, sondern mit ihm eine politische Botschaft transportieren: „Wenn die Regierung ihre Sparvorhaben wie geplant umsetzt, können wir unsere Apotheke zu Grabe tragen“, sagt Apotheker Michael Tscheulin. Die Aktion ist sein individueller Beitrag zum „Nationalen Sammeltag“, den der Apothekerverband Pharmasuisse am 7. Mai ausgerufen hat, um Unterschriften für eine Petition gegen Reformvorhaben der Regierung zu sammeln.

Damit auch jeder erkennt, dass Tscheulin nicht vom Pharmazeuten zum Schreiner umgesattelt hat, blickt den Betrachter aus dem Sarg ein grünes Kreuz an, das Schweizer Pendant zum deutschen Apotheken-A. „Unsere Apotheke liegt hier an einem belebten Platz, deshalb haben wir überlegt, was wir machen können, um etwas Aufmerksamkeit für den Protest zu erzeugen“, erzählt er. Bei einem Dekoladen wurde er fündig: Der vermietet nämlich Särge – ebenfalls wie im Westernfilm, nur ohne Leichen. „Aber irgendwie sah der noch ein bisschen leer aus, da kam mir das grüne Kreuz in den Sinn.“

Das dient in seiner eigentlichen Verwendung ebenfalls als politisches Symbol: Es hängt im Flur der Pharmafocus-Niederlassung in Basel-Münchenstein, Tscheulins Großhändler. „Die haben es dort mit ein paar Ketten dekoriert und wollen damit symbolisieren, dass sie die Ketten der Apotheken sprengen“, erklärt Tscheulin. Die Noweda-Tochter hat sich auf die Fahnen geschrieben, der Übermacht der Ketten in der Schweiz etwas entgegenzusetzen – ein Anliegen, das auch Tscheulin unterstützt. Das Verhältnis ist gut und so zögerte der Apotheker nicht lange, bei Pharmafocus anzurufen und zu fragen, ob er sich das Kreuz für seine Aktion einen Tag leihen darf. Die umgehende Antwort: „Natürlich, super, bravo, ja, machen wir sofort!“, erzählt er und freut sich immer noch über die unkomplizierte Unterstützung.

Also wanderte das apothekerliche Hoheitsabzeichen in die Kiste. Daneben hat Tscheulin einen Tisch für die von Pharmasuisse bereitgestellten Infomaterialien und Petitionsbögen gestellt, dazu reicht er den neugierigen Passanten Kaffee und Kipferln. Mit Erfolg: Das Interesse sei groß und die Reaktionen durchweg positiv. „Es gab bisher nur ganz wenige, die die Petition nicht unterschrieben haben“, sagt er. „Die allermeisten sehen das genauso wie wir.“

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