Feldapotheke statt Offizin

Leitfaden für „Katastrophenpharmazie“ Cynthia Möthrath, 22.07.2019 11:40 Uhr

Berlin - Noch nie etwas von Albendazol gehört? Das liegt vermutlich daran, dass in der Feldapotheke andere Wirkstoffe geläufig sind als im Alltag: Pharmazeutin Dr. Carina Vetye hat einen Leitfaden geschrieben, der die Arbeit der Apotheker, PTA, Krankenschwestern und Ärzte im Katastrophenschutz erleichtern soll.

In der der internationalen Katastrophenhilfe werden knapp 70 verschiedene Arzneimittel verschrieben und abgegeben, darunter das Anthelminthikum Albendazol, frei zusammengesetzte Mischinsuline und Methyldopa. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ein spezielles Medikamentenpaket zusammengestellt, das sogenannte „Interagency Emergency Health Kit“ (IEHK), das internationale Hilfsorganisationen im Gepäck haben, wenn sie in den Noteinsatz gehen. Viele der darin enthaltenen Wirkstoffe werden in westlichen Ländern jedoch selten eingesetzt und sind somit den Gesundheitsteams nur wenig geläufig. „Eine solche Feldapotheke ist schon ein großer Unterschied zu einer deutschen Apotheke, wie wir sie gewohnt sind“, erklärt die Autorin. Häufig habe Vetye Kollegen beim wilden Blättern in Büchern beobachtet, oft mit widersprüchlchen oder gar keinen Ergebnissen. „Das heißt, man sucht ewig und findet nicht, was man braucht. Und die Patienten müssen warten, obwohl sie dringend schnelle Hilfe benötigen.“

Deshalb hat Vetye den Leitfaden für das IEHK geschrieben: Das Handbuch enthält eine umfangreiche Liste der häufigsten Indikationen, Diagnosen und Krankheiten im Katastrophenfall und die dazu passenden Arzneimittel und Dosierungen. Erst kürzlich wurde das IEHK wieder von der WHO überarbeitet: Etliche Arzneimittel wurden ausgetauscht und hinzugefügt. Auf nur einer Seite befinden sich übersichtlich zusammengefasst alle Angaben zu Darreichungsform, Stärke, Therapie und Dauer, klare Dosierungsangaben für Säuglinge, Kinder und Erwachsene, sowie Senioren. Außerdem enthält der Leitfaden Behandlungsmöglichkeiten für Schwangere und Stillende, die Art der Einnahme, Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Nebenwirkungen, Maßnahmen bei Überdosierung, Lagerungshinweise und nützliche Tipps für Katastrophensituationen.

Neben der ausführlichen Übersicht, ist die Menge jedes Medikaments vermerkt und wo es im IEHK zu finden ist: Dies verschafft dem medizinischen und pharmazeutischen Personal vor Ort einen entscheidenden Vorteil. Die Arzneimittel sind in 26-30 Kisten verpackt und müssen unter Umständen unter Zeitdruck herausgesucht werden. „Man hat schon genügend Stress in dieser Situation durch die große Anzahl der Patienten, die versorgt werden müssen und durch die fremde Sprache; deshalb muss man in Sekundenschnelle finden können, welches Medikament für eine bestimmte Indikation vorhanden ist und wie es eingesetzt wird,“ erklärt Vetye.

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