DocMorris/Apo-Rot

BasisApotheker: Kartellamt soll Daten offen legen Lothar Klein, 22.07.2019 11:22 Uhr

Berlin - Im vergangenen Sommer hatte das Bundeskartellamt die Übernahme von Apo-Rot durch DocMorris bereits genehmigt. In seinem Jahresbericht hat das Bundeskartellamt den Fall noch einmal aufgegriffen und sein Ja erneut begründet. Jetzt wollen die Basis-Apotheker aus Westfalen-Lippe von Kartellamts-Präsident Andreas Mundt wissen, wie die Behörde zu der Einschätzung gekommen ist, dass die Übernahme keine Gefahr für den Wettbewerb auf dem Apothekenmarkt darstellt und fordern das Kartellamt auf, seine Daten offen zu legen.

Als Fraktion in der gewählten Kammerversammlung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe habe man den Tätigkeitsbericht 2017/2018 gelesen, schreibt Apotheker Gunnar Müller an Mundt. Dort könne man lesen: „Das Bundeskartellamt beobachtet die Entwicklungen im Internetvertrieb aufmerksam. Hinzu kommen Verfahren und konzeptionelle Grundlagenarbeit in diesem Bereich.“ Die BasisApotheker wollen jetzt wissen, „was Sie darunter verstehen, welche Beobachtungen gemacht und welche konzeptionellen Grundlagenarbeiten in Ihrem Hause bezüglich des Handels von Arzneimitteln im Internetvertrieb durchgeführt worden sind. Über eine Übersendung entsprechender Unterlagen in digitalisierter Form würden wir uns sehr freuen.“

Im aktuellen Tätigkeitsbericht des Kartellamtes könne man zudem über das genehmigte Zusammenschlussvorhaben von DocMorris mit dem Apothekenversandhandel Apo-rot der Apotheke am Rothenbaum, die Besonderheiten des Medikamentenvertriebs in Deutschland und „die eigenen Ermittlungen Ihres Hauses in Rahmen dieses Vorhaben unter anderem bezüglich unterschiedlicher geographischer Marktabgrenzungen bis auf die Ebene einzelner PLZ-Gebiete“ etwas lesen. „Über eine Zusendung der bei diesem Fallbericht zugrundegelegten Daten zum Einen und der von Ihrem Hause in dieser Sache erhobenen Daten zum Anderen in digitalisierter Form würden wir uns sehr freuen“, so Müller an Mundt.

Beurteilen musste das Bundeskartellamt im Frühjahr 2018 die Übernahme von Apo-Rot: Im Mai hatte der DocMorris-Mutterkonzern Zur Rose angekündigt, das Versandhandelsgeschäft des Hamburger Apothekenverbunds zu übernehmen und künftig von den Niederlanden aus zu betreiben. Zusätzlich wollen DocMorris und Apo-Rot im Rahmen einer strategischen Zusammenarbeit gemeinsam das bestehende Omni-Channel-Konzept ausbauen sowie inhaltlich weiterentwickeln. 80 Mitarbeiter der Marketing- und Service-Teams von Apo-Rot sowie der allgemeinen Verwaltung werden in eine neue Gesellschaft mit Sitz in Hamburg überführt. Der Web-Shop soll weiter von dort aus vermarktet werden.

Einen guten Monat später gaben die Wettbewerbshüter grünes Licht für den Deal. Mundt erklärte dazu: „Das Zusammenschlussvorhaben ist wettbewerblich unbedenklich. Versandapotheken stehen im direkten Wettbewerb mit den stationären Apotheken. Bei deutschlandweiter Betrachtung liegt der Marktanteil aller Versandapotheken insgesamt derzeit bei rund 1,3 Prozent bei den verschreibungspflichtigen Arzneimitteln und bei rund 13,4 Prozent bei nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.“

Darüber hinaus hält der Kartellamtschef Versandapotheken für versorgungsrelevant: „Versandapotheken stellen für die Verbraucher eine zusätzliche Möglichkeit dar, ihren Bedarf mit rezeptpflichtigen und nicht rezeptpflichtigen Medikamenten zu decken.“ Auch wenn mit DocMorris die größte Versandapotheke den Konkurrenten Apo-Rot übernehme, lägen die gemeinsamen Marktanteile der beiden Unternehmen bundesweit bei unter 1 Prozent an dem Umsatzvolumen der rezeptpflichtigen Medikamente und unter 5 Prozent bei den nicht rezeptpflichtigen Medikamenten.

„Selbst in Postleitzahlengebieten mit nur einer stationären Apotheke, ist die gemeinsame Marktposition der Zusammenschlussbeteiligten wettbewerblich unbedenklich, da den Verbrauchern sowohl zahlreiche andere Versandapotheken, als auch stationäre Apotheken in benachbarten Regionen für ihre Medikamentenversorgung zur Verfügung stehen“, so das Kartellamt in seinem Genehmigungsbescheid. Damit teilen die Wettbewerbshüter ausdrücklich nicht die Position der ABDA, die im Versandhandel eine Gefahr für die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland sehen.

APOTHEKE ADHOC Debatte

Neuere Artikel zum Thema

Mehr zum Thema

Mehr aus Ressort

Weiteres
Coronavirus

Gesellschaft für Virologie

Virologen: Corona-Gefahr an Schulen nicht unterschätzen»

Tröpfcheninfektion bei Sars-CoV-2

Schützen OP-Masken auch den Träger?»

Hilfestellung für Entwicklungsländer

Corona: Studentin entwickelt Röntgensoftware»
Markt

Hüffenhardt: Nichts geht mehr

BGH lässt DocMorris abblitzen»

Bain und Cinven

Finanzinvestoren legen Abfindung für Stada-Minderheitsaktionäre fest»

4,5 Millionen mögliche Impfdosen

Moderna: Impfstoffdeal mit der Schweiz»
Politik

Bernd Rademacher tritt Simacher-Nachfolge an

Neuer Geschäftsführer beim AVWL»

Alternative zum Boni-Verbot

Eine Tour: Botendienst und Boni-Deckel»

Krankenhauszukunftsgesetz

Botendiensthonorar: Dauerhaft, aber nur 2,50 Euro»
Internationales

Notbevorratung durch Unternehmen und Regierung

Brexit: UK bunkert Arzneimittel für den Ernstfall»

Kooperation

GlaxoSmithKline steigt bei Curevac ein»

Walgreens Boots Alliance

Wegen Corona: Pessina streicht 4000 Stellen»
Pharmazie

Rückruf

Ungewöhnlicher Geschmack bei Minirin»

Rückruf

Kennzeichnungsfehler bei Loceryl»

Sichelzellerkrankungen

Adakveo: Zielgerichtet gegen Schmerzkrisen»
Panorama

Schmerzmittel ohne Erlaubnis gespritzt

Bewährung für „falschen Arzt”»

Aktion zum Schulstart

Kleeblatt-Apotheken verteilen Kinder-Atemmasken»

Indien

Arzt soll in 50 Morde verwickelt sein»
Apothekenpraxis

Kein generelles Vertriebsverbot

Nur Einzelfall: Entwarnung bei Opiumtinktur»

Supermarkt abgemahnt

Es gibt keine Apotheker-Gasse im Edeka»

Codewort am HV-Tisch

„Maske 19“: Apotheken sollen gegen häusliche Gewalt helfen»
PTA Live

Sportliche Menschen erkranken seltener

Glaukom: Sehverlust durch Bewegung abwenden»

SARS-CoV-2-Pandemie

Wann gilt das Beschäftigungsverbot für Schwangere in Apotheken?»

Cabdo-Botendienst

Geschäftsidee geplatzt: Arzneimittel per Limo-Service»
Erkältungs-Tipps

OP-Maske, FFP und KN95

Wie schützt eine Mund-Nasen-Bedeckung vor Infekten?»

Immunsystem stärken, Hygiene beachten

Fünf Tipps zur Erkältungsvorbeugung»

Verbreitung von Krankheitserregern

Tipps zur Vermeidung von Schmier- und Tröpfcheninfektionen»
Magen-Darm & Co.

Haferschleim, Zwieback & Banane

Schonkost: Leicht verdaulich & gut verträglich»

Pflanzlich oder Probiotisch

Fresh-Up: Reizdarmsyndrom»

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Colitis ulcerosa: Wenn der Dickdarm erkrankt»
Kinderwunsch, Schwangerschaft & Stillzeit

Aktivität

Laufen in der Schwangerschaft»

Ernährung, Sport und Vitamine

Schwanger zu werden, ist nicht nur Frauensache»

Bildergalerie

Schwangerschaftsmythen: Fakt oder Falsch?»
Medizinisches Cannabis

Wie setzt sich der Abgabepreis zusammen?

Cannabis-Rezept: Taxierung»

Interview mit Michael Becker

Cannabis-Prüftipps vom Pharmazierat»

Teil 2: Belieferung & Dokumentation

How to: Cannabisrezept»
HAUTsache gesund und schön

Ein besonderer Bereich des Gesichts 

Augenpflege: Sanft und feuchtigkeitsspendend»

Gefahren bei falscher Pflege

Wimpern und Augenbrauen: Schützende Sensibelchen»

Isotretinoin, MTX & Co.

Hautpflege bei bestimmter Medikation»