Apotheker Lutz Mohr bleibt optimistisch

„Ich sehe nicht ganz schwarz“

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Berlin -

Immer weniger junge Pharmazeuten träumen von der eigenen Apotheke. Zu viel Bürokratie, der Fachkräftemangel, das Apotheken-Sterben, die politischen Querelen – all das wirkt abschreckend. Apotheker Lutz Mohr aus dem hessischen Grebenstein macht jungen Kollegen Mut. Wo viele schwarz sehen, bleibt er vorsichtig optimistisch.

„Ich mache meinen Beruf nach wie vor gerne“, sagt er. „Auch wenn es natürlich nicht schön ist, dass es immer mehr Bürokratie gibt.“ Davon sollten sich junge Pharmazeuten allerdings nicht abschrecken lassen. „Man sollte nicht aus den Augen verlieren, dass unser Beruf Zukunft hat. Im Moment ist es natürlich schwierig, aber wenn die Rahmenbedingungen passend gemacht werden, würde ich es empfehlen“, sagt der Inhaber der Löwen-Apotheke.

Er sieht die Lage der Apotheker durchaus kritisch. „Gerade auf dem Land hängt man als Apotheker wirtschaftlich von den Ärzten ab. Wenn es zu wenige gibt, wird es auch nicht lange dauern, bis es keine Apotheke mehr gibt.“ Aber aus all diesen Gründen als junger, engagierter Pharmazeut keine Apotheke zu eröffnen, erscheint ihm auch keine vernünftige Lösung zu sein. Es sei aus seiner Sicht trotz aller Widrigkeiten attraktiv, eine eigene Apotheke zu betreiben.

In der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen (HNA) erklärte er einem breiten Publikum, wo er die Chancen sieht: „Ich sehe nicht ganz schwarz. Wir Apotheker haben immer noch den Vorteil gegenüber Internetapotheken, dass es bei uns menschelt. Apotheken sind eine niedrigschwellige Stelle im Gesundheitswesen.“

 

Der Apotheker erläutert: „Beim Arzt macht man immer mehr die Erfahrung, dass er weniger Zeit hat, sich mit einem zu unterhalten. Wir Apotheker haben eine Lotsenfunktion und die Möglichkeit, länger mit einem Patienten zu sprechen. Dieses Zwischenmenschliche fällt online weg. Damit können wir überzeugen.“

Auf die HNA-Frage, was sich ändern müsste, damit wieder mehr junge Menschen Inhaber einer Apotheke werden wollen, antwortet Mohr: „Dazu gehören Planungssicherheit und die ausreichenden politischen Rahmenbedingungen. Es ist wichtig, dass von der Politik wieder gleiche Bedingungen hergestellt werden. Es ist unverzichtbar für uns, dass es eine Gleichpreisigkeit gibt. In unseren Augen ist dies am besten darstellbar, wenn es Onlineversandhändlern verboten wäre, verschreibungspflichtige Arzneimittel zu verkaufen.“

Zum Dauerthema Fachkräftemangel sagt er: „Ein anderer Punkt ist, dass der Fachkräftemangel bei uns immer mehr um sich greift. Wenn ein potenzieller Inhaber fürchten muss, dass er in geraumer Zeit nicht genug Fachkräfte findet, mit denen er sein Betrieb betreiben kann, ist das nicht motivierend. Wir wehren uns nicht gegen Wettbewerb, aber gegen einen ungerechten Wettbewerb.“

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