Moldawische Apothekerin

„Apotheker haben in Deutschland ein hohes Prestige“

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Berlin -

„Es ist alles sehr ruhig hier – und so grau.“ Das sei ihr erster Eindruck von Burscheid gewesen, erzählt Nadejda Cojocaru. Die Moldawierin war in die nordöstlich von Köln gelegene 19.000-Einwohner-Stadt gereist, um sich bei Apotheker Andreas Winterfeld vorzustellen. Schon immer sei es ihr Traum gewesen, in Deutschland zu arbeiten, bekundet die 27-Jährige.

Erst habe sie Medizin studieren wollen. „Als Kind hatte ich ganz viele Pickel, deswegen wollte ich Hautärztin werden, aber das hat irgendwie nicht geklappt“, sagt Cojocaru. „Wenn du keine Verbindungen hast, ist es schwer, an einen Studienplatz zu kommen. Ich wollte aber unbedingt irgendetwas mit Gesundheit machen, egal was.“ Sie sah sich im Internet nach Alternativen um und fand einen Pharmazie-Studiengang an der Universität von Galati im benachbarten Rumänien. Dank ihrer von den Großeltern „vererbten“ doppelten Staatsbürgerschaft besitzt sie auch den rumänischen Pass, die Zulassung sei kein Problem gewesen. „Ich brauche für die anderen EU-Staaten auch kein Visum und keine Aufenthaltserlaubnis.“

In Rumänien oder Moldawien zu arbeiten, sei für sie aber nie eine Option gewesen. Alle Cojocaru-Geschwister haben ihr Glück im Ausland gesucht. „Sie leben in London, Hongkong, Portugal, eine Schwester studiert in Frankreich Medizin“, erzählt sie. „Wir sind überall, nur nicht in Moldawien.“ Und so ging auch Nadejda auf volles Risiko. Ihre Prüfungen legte sie auf englisch ab. Im Internet fand sie dann einen Platz für ihr Anerkennungspraktikum in einer Mannheimer Apotheke.

Der Start in der fernen Fremde sei holprig gewesen. „Ich konnte nur ein paar Worte Deutsch, ‚Guten Tag‘, ‚Auf Wiedersehen‘ und bis zehn zählen“, erzählt Cojocaru. „Am Anfang hatte ich fast gar keinen Kontakt mit Kunden und arbeitete nur in der Rezeptur. Ich musste immer wieder meine Kollegen fragen, wie der und der Stoff auf deutsch heißt.“ Das seien harte Zeiten gewesen, in denen auch mal die eine oder andere Träne geflossen sei, räumt sie ein. „Nach Feierabend belegte ich einen Deutschkurs am Goethe-Institut.“ Viel habe sie sich auch in der täglichen Apothekenpraxis und im Selbststudium angeeignet.

Dank der vielen harten Arbeit konnte sie ihr Praktikum erfolgreich abschließen. Im Sommer 2015 kehrte sie in ihre Heimat zurück. Doch das sollte nur eine Zwischenstation sein. Die Zeit in Mannheim hatte tiefe Eindrücke hinterlassen. „Die Apotheken in Moldawien sind nicht so modern, es gibt kaum Computer. Bis man ein Rezept lesen oder verstehen kann, verliert man viel Zeit“, erzählt Cojocaru. Kommissionierautomaten gebe es in den Apotheken ihrer Heimat kaum, dafür Nahrungsergänzungsmittel in Hülle und Fülle und allen Formen und Farben. „Man weiß nicht, ob die etwas bringen.“

Wenn ein Arzneimittel mal in Deutschland nicht vorrätig sei, könne man es beim Großhandel bestellen. „In der Regel ist es innerhalb von zwei bis drei Stunden da“, berichtet sie. „In Moldawien kann es schon mal zwei Tage dauern.“ Doch nicht nur an Ausstattung und Medikamentenverfügbarkeit hapere es. „In Moldawien sind die Gehälter nicht so attraktiv. Der Beruf hat auch nicht so ein hohes Prestige wie in Deutschland, hier wird dem Apotheker sehr viel Vertrauen entgegengebracht. In Moldawien haben die Mitarbeiter das Image, dass sie nur verkaufen wollen, ohne zu beraten.“

Drei Monate verbrachte sie daheim, dann kam der erlösende Anruf aus Deutschland. „Eine Vermittlerin, die Ärzte und Apotheker für Deutschland sucht, gab mir den Kontakt in Burscheid.“ Ihr potenzieller neuer Arbeitgeber Winterfeld war von der jungen Kollegin angetan. Nach drei Tagen Probepraktikum stellte er sie fest an. Seit gut anderthalb Jahren arbeitet sie als Springerin und Urlaubsvertretung in all seinen vier Betrieben, in der Adler-Apotheke und den Montanus-Apotheken in Burscheid, Burscheid-Hilgen und Wermelskirchen.

„Das macht großen Spaß“, bekundet Cojocaru. Man habe nicht so viel Verantwortung, wenn man in vier statt nur in einer Apotheke arbeite. „Und zu jeder Apotheke kommen Patienten mit anderen Symptomen und Krankheiten. Wenn ich da mal etwas nicht weiß, kann ich einen Kollegen fragen und lerne so viel Neues dazu.“

Mittlerweile hat die Apothekerin einen unbefristeten Vertrag in der Tasche. Aus Burscheid will sie so bald nicht wieder weg. „Ich möchte nicht woanders wieder von vorne anfangen. Ich mag ruhige Städte und fühle mich sehr wohl.“ Den Kontakt zur Familie halte sie über Skype, die Eltern seien schon mal zu Besuch gewesen. „Ihnen hat es sehr gefallen, sie sagten, dass es hier so schön grün und sauber ist.“

Allzu viele Freizeitmöglichkeiten gebe es in Burscheid nicht, räumt sie ein. Aber wenn ihr die Decke auf den Kopf falle, mache sie mit Freunden Ausflüge nach Köln oder Düsseldorf oder auch mal auf ein langes Wochenende in die Niederlande. „Aber ich freue mich, wenn ich wieder zurück in mein zweites Zuhause komme.“

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