Austausch Original-Import

Barmer-Retax: Auf den Namen kommt es nicht an Nadine Tröbitscher, 24.07.2018 10:12 Uhr

Berlin - Namensgleichheit ist kein Austauschkriterium: Für den Austausch von Original und Import ist die Arzneimittelbezeichnung unerheblich. Im Fall Clarium (Piribedil, Desitin) tragen die Präparate unterschiedliche Fertigarzneimittelnamen und sind nach Lesart der Krankenkassen dennoch gegeneinander auszutauschen, wenn der Rabattvertrag dies vorsieht. Die Barmer retaxiert in solchen Fällen.

Die betroffenen Verordnungen wurden über Clarium 50 mg zu 200 Retardtabletten ausgestellt, das Aut-idem war gesetzt. Rabattpartner der Barmer sind seit Oktober 2017 Trivastal ACA Müller und seit Dezember 2017 Pronoran Kohl. Auch andere Kassen haben Rabattverträge für die Importe geschlossen. Die Betriebskrankenkassen Bayerische Staatsbauverwaltung und Deutsche Linolium Werke AG haben ebenfalls Trivastal ACA Müller einen Zuschlag erteilt. Kohl Pharma hat für Trivastal einen Rabattvertrag mit der DAK und der Techniker Krankenkasse (TK) geschlossen. Pronoran Kohl ist nicht nur bei der Barmer, sondern auch bei diversen BKKen und IKKen, der DAK und TK rabattiert. Originator Desitin konnte sich einen Zuschlag von den AOKen Bremen und Hessen sowie der DAK und der TK sichern. So viel zu den vertraglichen Voraussetzungen.

In allen Fällen gilt es rabattvertragskonform zu liefern, auch wenn Aut-idem gesetzt ist. Rabattiertes Original oder rabattierter Import stechen bei der Rezeptprüfung Aut-idem. Original und Import werden demnach als ein und dasselbe angesehen, denn importierte Arzneimittel sind nach § 5 Rahmenvertrag Arzneimittel, „die mit dem Bezugsarzneimittel in Wirkstärke und Packungsgröße identisch sind, sowie in der Darreichungsform therapeutisch vergleichbar sind (Re- und Parallelimporte)“ sowie „unter Bezugnahme auf ein deutsches Referenzprodukt zugelassen sind oder als zugelassen gelten“.

Apotheker können Aut-idem außer Acht lassen, die Barmer bezieht sich auf den Arzneiversorgungsvertrag (AVV) der Ersatzkassen § 4: „Hat der Vertragsarzt ein Fertigarzneimittel unter seinem Produktnamen und/oder seiner Pharmazentralnummer unter Verwendung des Aut-idem-Kreuzes verordnet, ist dies im Verhältnis von importiertem und Bezugsarzneimittel mangels arzneimittelrechtlicher Substitution unbeachtlich. Dies gilt nicht, wenn der Arzt vermerkt hat, dass aus medizinisch-therapeutischen Gründen kein Austausch erfolgen darf“. Der Teufel liegt hier im Detail, denn viele Ärzte wissen gar nicht, dass sie das Austauschverbot in diesem Fall zusätzlich dokumentieren müssen. § 4 AVV der Ersatzkassen wurde im Januar 2015 nach dem Urteil des Sozialgerichtes Koblenz aus dem Januar 2014 entsprechend geändert.

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