Regierungsbildung

Gröhe: Der stille Absteiger Lothar Klein, 26.02.2018 14:13 Uhr

Berlin - Er wäre gerne Minister geblieben – nicht unbedingt nur Gesundheitsminister. Dass Hermann Gröhe jetzt von Angela Merkels Personalkarussell gefallen ist, gehört zu den überraschenden Aspekten der komplizierten GroKo-Regierungsbildung. Der 57-jährige Neusser CDU-Abgeordnete galt für ein wichtiges Amt als gesetzt. Jetzt ist er Opfer der politischen Umstände: Es ist nicht jung und keine Frau. Hermann Gröhe passte nicht mehr in das von Merkel aufgezwungene Proporz-Schema.

Bis zuletzt hat Gröhe wohl selbst an seine politische Zukunft geglaubt: Er hat für die Union die GroKo-Verhandlungen für den Bereich Gesundheit geführt. Er hat der SPD das Zugeständnis beim Rx-Versandverbot abgerungen. Mehrfach täglich hatte er die Inhalte des Koalitionsvertrages als Erfolgsmeldungen getwittert wie kein anderes Mitglied der noch geschäftsführenden Bundesregierung – als gäbe es für ihn eine Zukunft im Bundesgesundheitsministerium.

Die Verbannung vom Kabinettstisch hat ihn daher persönlich getroffen: „Gerne habe ich in den letzten vier Jahren als Bundesminister Verantwortung für die Gesundheitspolitik in unserem Land getragen“, machte Gröhe seiner Enttäuschung auf Facebook in diplomatischer Tonlage Luft. „Natürlich hätte ich diese Arbeit gerne fortgesetzt. Aber ein Ministeramt ist stets ein Amt auf Zeit. Meinem Nachfolger wünsche ich alles Gute! Ich bin stolz darauf, meine Heimat auch weiterhin als direkt gewählter Abgeordneter im Deutschen Bundestag zu vertreten und werde dies mit ganzer Kraft tun.“

Lange Zeit galt Gröhe als enger Vertrauter der Kanzlerin und damit als unter ihrem Schutz stehend. Darauf hat er für seine Zukunft vertraut. Als früherer CDU-Generalsekretär hat er Merkels Wahlerfolge genauso still und unauffällig organisiert wie er vier Jahre lang das Bundesgesundheitsministerium geführt hat. Gröhe war mit 41 Gesetzen einer der fleißigsten Gesundheitsminister. Er hat selbst schwierigste Vorhaben wie die Krankenhausreform ohne großen öffentlichen Streit abgeräumt.

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