Berlin

Apotheker: Soforthilfe für Flüchtlinge

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Berlin -

Flüchtlingen zu helfen ist mitunter einfacher als gedacht – und jeder kann mit anpacken. Das zeigt ein Blick in die Berliner Turmstraße. Das dort ansässige Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) war zwischenzeitlich zum Inbegriff der überforderten Behörden geworden. Flüchtlinge warteten mitunter tagelang auf einen Termin zur Registrierung. Da sie vorher aber keinen Anspruch auf medizinische Versorgung haben, sind ehrenamtliche Helfer gefragt – auch die Apotheken unterstützen die Arbeit.

Menschen, die noch nicht registriert sind, haben keinen Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Viele ehrenamtliche Helfer übernahmen deshalb die Versorgung der wartenden Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Kleidung und allem, was sonst benötigt wurde. Ärzte kümmerten sich in ihrer Freizeit um die medizinische Versorgung; die Organisation übernahmen zunächst die Initiative „Moabit hilft“ und später das LaGeSo.

„Moabit hilft“ hatte online eine Liste mit Gegenständen veröffentlicht, die die Flüchtlinge benötigten. Darunter waren auch Arzneimittel, medizinische Produkte und Hygieneartikel. Die Lichtenberg-Apotheke war dabei: Die Inhaberinnen Maria Zoschke und Dr. Ina Katharina Lucas spendeten Mundspatel, Latexhandschuhe, Mullbinden, Kompressen sowie Duschgel, Shampoo, Zahnpasta und Bonbons.

Arzneimittelspenden hingegen sind schwierig, denn dabei muss viel beachtet werden. Davon ließ sich Dr. Heidi Schindler, Inhaberin der Turm-Apotheke in unmittelbarer Nähe zum LaGeSo, aber nicht abschrecken. Sie erhielt 500 Euro von einem Spender, der anonym bleiben möchte. Sie selbst und eine Mitarbeiterin legten noch einmal 100 Euro drauf. Von diesem Geld bezahlt sie die Arzneimittel, die sie an die ehrenamtlichen Helfer abgibt.

Die Liste der benötigten Arzneimittel erstelle eine Ärztin im Ruhestand, die ehrenamtlich die Flüchtlinge versorge und die Medikamente verteile, so Schindler. Gebraucht würden vor allem Augentropfen, Schmerztabletten, Nasentropfen sowie Brand- und Wundgel. Die Arzneimittel gibt Schindler zum Einkaufspreis ab – trotzdem ist schon ein großer Teil des Geldes verbraucht.

Auch alle anderen Apotheken im Umfeld des LaGeSo helfen den Flüchtlingen vor Ort. Die Diana-Apotheke hat neben Arzneimitteln wie Erkältungsmitteln und Blutdruckmedikamenten auch alte Kühlschränke an die Hilfsorganisationen vor Ort gespendet. Die Spree-Apotheke Moabit steht den Flüchtlingen mit arabisch sprechendem Personal zur Seite.

Apotheker Ahmad Al Ardah, Inhaber der Domos-Apotheke, nimmt sich auch immer wieder die Zeit, syrischen Flüchtlingen in ihrer und seiner Muttersprache weiterzuhelfen. Große Arzneimittelspenden hat der Apotheker nicht zusammengepackt, er unterstützt die Flüchtlinge im Alltag: Wenn eine Mutter komme und Paracetamol-Zäpfchen brauche, verschenke er diese auch mal, berichtet Al Ardah. Auf diese Weise spende er jeden Tag ein paar Arzneimittel.

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