Telemedizin

Doctolib bringt eigenes eRezept Tobias Lau, 16.07.2019 09:08 Uhr

Bei der Zahl der teilnehmenden Ärzte liegt Doctolib noch hinter dem Konkurrenten aus dem Hause Burda zurück: 5000 Arztpraxen und 56 andere Gesundheitseinrichtungen, vor allem Kliniken und MVZ, sind bereits bei Doctolib registriert. Europaweit sind es 100.000 Ärzte und 2000 Gesundheitseinrichtungen. Jameda wirbt auf seiner Seite mit 275.000 eingetragenen Ärzten. Davon lässt sich Tsimpoulis aber nicht entmutigen. „Unser Ziel ist es, bis Ende des Jahres auf 10.000 Ärzte in Deutschland zu kommen“, sagt er. Rund 2 Millionen Besucher verzeichnet die Seite mittlerweile monatlich in Deutschland, europaweit sind es 40 Millionen. Jameda kommt nach eigenen Angaben in Deutschland auf 6 Millionen Patienten im Monat.

Doctolib will aber nicht nur physische Arztbesuche vermitteln, sondern bald auch ein Player auf dem gerade entstehenden deutschen Telemedizin-Markt werden. Seit Januar gibt es das Angebot in Frankreich schon, bis Ende dieses Jahres werde es in Deutschland eingeführt. Dass es noch kein genaues Startdatum gibt, liege eher an der regulatorischen Situation als an der technischen Umsetzbarkeit. „Die technischen Voraussetzungen sind gegeben, wir können uns produkttechnisch an alle Entwicklungen schnell anpassen“, sagt Tsimpoulis. „In Frankreich bieten wir bereits die Videokonsultation seit Anfang des Jahres an. Über 1.000 Ärzte nutzen den Service bereits und mehrere tausend Arzt-Patienten-Gespräche haben schon stattgefunden.“ Im Moment beobachte Doctolib aber noch das regulatorische Umfeld. „Für Deutschland könnte die Implementierung im Produkt direkt erfolgen sobald die regulatorischen Rahmenbedingungen flächendeckend final geklärt sind.“

Denn das Potenzial der Technik geht über den Kern des Angebots hinaus: Der besteht aus Telekonsultationen bei Ärzten, für die man bei Doctolib einen Termin buchen kann und die dann über Desktop oder Smartphone durchgeführt werden. In Frankreich können sich Patienten in der Online-Sprechstunde von Doctolib bereits Verordnungen ausstellen lassen – das sei auch das Ziel für Deutschland, erklärt Tsimpoulis. Nicht nur digitale Sprechstunden wolle man bald einführen, sondern auch eine Anwendung für ein elektronisches Rezept und Bezahl-Services. Wie genau die eRezept-Anwenung aufgebaut sein und wann sie eingeführt werden soll, lässt Doctolib noch offen. Außerdem gibt es auf dem Zukunftsmarkt Telemedizin mit Zava, ehemals DrEd, bereits einen Platzhirsch. Doch das dürfte Doctolib nicht einschüchtern.

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