BPI gegen vdek

Lieferengpässe: „So werden Zahlen künstlich reduziert“ Tobias Lau, 22.10.2019 15:28 Uhr

Berlin - Der Streit um die Schuld an den allgegenwärtigen Lieferengpässen geht weiter: Nachdem der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) dem Verband der Ersatzkassen (vdek) bei seiner Interpretation der Lage bereits widersprochen hat, legt er nun nach. Der BPI hat die Zahlen des vdek unter die Lupe genommen und wirft dem Verband vor, die Situation schönzurechnen.

Rückblick: Vergangene Woche hatte der Ersatzkassenverband öffentlich vorgerechnet, dass die Lage der Lieferengpässe bei Weitem nicht so dramatisch sei, wie Medien und Branchenvertreter suggerieren. So verwies der vdek auf die Löschmitteilungen der Hersteller: Demnach seien etliche Arzneimittel nach dem Stichtag 29. September schon wieder lieferbar. Zieht man dann noch die vom Valsartan-Rückruf betroffenen Präparate ab, verblieben nur noch 156 der 529 Arzneimittel, für die laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) eine Engpassmeldung vorliegt, so die Rechnung.

Ohnehin sei die Zahl irreführend: Ein Großteil der vermeintlich betroffenen Präparate sei in anderen Packungsgrößen erhältlich gewesen oder von einem anderen Hersteller verfügbar. Von den dann noch verbliebenen 89 Wirkstoffen habe für 69 kein Rabattvertrag der Ersatzkassen vorgelegen. Letztendlich verblieben nach der Rechnung des vdek also 20 Wirkstoffe, deren Lieferschwierigkeiten von den Herstellern mit Produktionsproblemen begründet wurden. Bei keinem einzigen dieser Arzneimittel seien die Arzneimittel-Ausschreibungen der Krankenkassen Grund für den Engpass.

Beim BPI hält man das offenbar für eine hanebüchene Milchmädchenrechnung. So sei nicht nachvollziehbar, warum die Kassen die Löschmitteilungen der Hersteller von der Gesamtzahl abziehen. „Sind Lieferengpässe mit Rabattvertragsprodukten kein Problem, nur weil sie erfolgreich behoben werden konnten?“, fragt ein Sprecher rhetorisch. „So werden Zahlen künstlich reduziert.“ Auch für den zweiten Rechenschritt kann der vdek kein Verständnis von den Herstellern erwarten: „Warum werden die Sartane rausgerechnet?“, fragt der Verband. Die Wirkstoffe kämen schließlich aus Asien. „Wir beklagen, dass Rabattverträge die Wirkstoffproduktion nach Asien vertreiben. Genau das trägt hier zu dem Problem bei. Das einfach rauszurechnen ist nicht in Ordnung.“

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